(Letzte) Ruhe im Park

Am Wochenende habe ich Ruhe gesucht. Natur. Ein bisschen Frieden, oder jedenfalls eine friedvolle Umgebung. Da kam mir in den Sinn, dass ich mal von dem schönen Osterholzer Friedhof gehört habe, und machte mich auf den Weg.

Die Hauptkapelle, Zentrum der Anlage

Ich radelte zum Friedhof, und der letzte Teil des Weges war etwas skurril: Praktisch direkt hinter dem riesigen Mercedes-Werk befindet sich der Haupteingang, man taucht ein in eine andere Welt. Der Hauptweg führt dabei zum Mittelpunkt des größten Friedhofs Bremens, der 1920 gegründet wurde und als Zentralfriedhof geplant war, mit der Hauptkapelle des Architekten Franz Seeck.

Informationen zu Zeiten, einen Übersichtsplan und mehr findet ihr auf der Seite des Umweltbetriebs und bei Wikipedia.

Zentrum des Friedhofs: Die Hauptkapelle

Zentrum des Friedhofs: Die Hauptkapelle

Auf der einen Seite führt eine Allee zur Kapelle, auf der anderen ein überdachter Wandelgang. Unter dem findet auch ein Engel Schutz.

Ich gebe zu, ich mag Friedhöfe sehr, und besuche oft welche auf meinen Reisen. Auf dem Osterholzer Friedhof kommen aber auch alle auf ihre Kosten, die einfach die Natur genießen möchten, denn die Anlage erinnert eher an einen Park.

Engel

Engel

Gräber und Engel

In vielen Bereichen verstecken sich kleine Grabfelder geradezu in der Anlage. Mal von Wasserläufen abgetrennt, mal von Eibenhecken. Und ich nehme es vorweg: Ich habe an diesem sonnigen Tag mit meinem neuen Smartphone fotografiert. Das Telefon hat die Bilder so farbenfroh gespeichert, ich musste daran nichts mehr tun: #nofilter! Ein bisschen kitschig ist es ja schon, aber genau so schön, wie ich es vor Ort erlebt habe.

Wald, Wasser, Wiese

Wald, Wasser, Wiese

Bekannte Personen sind dort auch begraben, aber nicht so viele wie auf dem deutlich älteren Friedhof Riensberg. Dieser Friedhof ist ja auch deutlich jünger. So schöne Gräber wie beispielsweise in Irland gibt es hier auch nicht. Ich habe Herrn Borgward meine Ehre erwiesen, weil ich seine Autos so schön finde. Das schlichte Grab hat mich dann doch überrascht.

Das Grab ist unscheinbar, die Autos waren ein Augenschmaus: Borgward

Das Grab ist unscheinbar, die Autos sind ein Augenschmaus: Borgward

Bekannt ist der Friedhof für seine Ehrenmäler. Das ist eigentlich nicht so meins, aber das Niederländische Ehrenfeld ist schon beeindruckend. Es erinnert an die Jungen und Männer aus den Niederlanden, die zwischen 1940 und 1945 in Deutschland als Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Fast 30.000 Tote – das ist ein sehr schmerzhafter Gedanke. Aber die Erinnerung an solche Greuel sind wichtig, wenn die Geschichte sich nicht wiederholen soll.

Friedhof für die Niederländer

Friedhof für die Niederländer

Ansonsten sehen die Grabfelder eher aus wie ein Sammelsurium, oft liebevoll dekoriert, hin und wieder „Ideal Standard“.

Kleine abgesteckte Bereiche mit Gräbern sind von den Hauptwegen kaum sichtbar

Kleine abgesteckte Bereiche mit Gräbern sind von den Hauptwegen kaum sichtbar

Es sind eher die kleinen Dinge, die ich auf Friedhöfen spannend finde. Daher spaziere ich durchaus auch durch die Grabreihen, so lange ich keine trauernden Menschen dort störe. Die Pietät halt. Dann entdecke ich netten Grabschmuck wie den liegenden Engel auf dem Grab hinter Tulpen, oder den kleinen Engel mit künstlichem Blumenschmuck.

Engel und Tulpen

Engel und Tulpen

Große und kleine Engel

Große und kleine Engel

Die Skulptur des Mannes und das Kreuz strahlen, wie ich finde, eine unheimliche Ruhe aus. Dieser Ort hatte fast etwas Magisches. Man kann es beim Betrachten des Fotos nicht fühlen, aber schaut doch mal, wie es euch vor Ort an dieser Stelle geht. Genau, dafür müsst ihr euch schon auf die Socken machen und hinfahren.

Gräber, Natur, Stille

Gräber, Natur, Stille

Landschaft und Blumen

Jetzt, im Frühling, fühlte ich mich fast wie im Rhododendron-Park. Ein Traum, diese Blütenpracht. Da merkt man kaum mehr, dass man sich auf einem Friedhof befindet, sondern strahlt mit der Sonne um die Wette. Genießt mit mir die nächsten fotografischen Eindrücke. Atmet in Gedanken die frische warme Fühlingsluft ein, und vergesst nicht, euch einzucremen (ich hatte es vergessen …).

Friedhof als Landschaftspark

Friedhof als Landschaftspark

#nofilter - unbearbeitete Aufnahme an diesem traumhaften Tag

#nofilter – unbearbeitete Aufnahme an diesem traumhaften Tag

Mohn an der Mauer

Mohn an der Mauer

Wunderschöner Rhododendron

Wunderschöner Rhododendron

Lichtreflexe am Wasserlauf

Lichtreflexe am Wasserlauf

Naturwiese am Ende des Friedhofs

Naturwiese am Ende des Friedhofs

Ein Rhododendron-Traum

Ein Rhododendron-Traum

Trauer in der Kunst

Am anderen Ende des Friedhofs befindet sich ein Kunstwerk, welches sich mit dem Thema Trauer beschäftigt. Ich fand diese zwei Figuren besonders eindrucksvoll, die sich – mit einigem Abstand – gegenüber stehen. Diese Skulptur hat mich noch einmal daran erinnert, dass der schöne Park auch ein Ort der Trauer ist. Er strahlt aber keine Traurigkeit aus, eher Hoffnung und Zuversicht. Es ist ein Ort der dazu einlädt, einmal inne zu halten. Achtsam gegenüber der Natur, den Mitmenschen und sich selbst.

Teile eines Kunstwerks von Siegfired Neuenhausen: Tod, Trauer, mitmenschliche Hilfe für den Trauernden und Überwindung der Trauer (Bremen 1977)

Teile eines Kunstwerks von Siegfried Neuenhausen: Tod, Trauer, mitmenschliche Hilfe für den Trauernden und Überwindung der Trauer (Bremen 1977)

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