Holtorf – alter neuer Heimathaven

Der frühere Kolonialwarenladen und spätere Tante Emma-Laden Holtorf war für mich einige Jahre wie ein Heimathafen, denn ich wohnte genau gegenüber, im grauen Haus mit dem Erker. Im letzten Jahr hat der Heimathaven den Laden übernommen. Die Einrichtung ist weitgehend erhalten, hinzugekommen ist die Nutzung für Tastings und als Café. Und damit hat auch mein Besuch dort zu tun: mit Kaffee.

Tradition am O-Steinweg

Man schrieb das Jahr 1874, als der Kaufmann Wilhelm Holtorf den Kolonialwarenladen eröffnete. 1903 wurde das Haus zwar neu gebaut, der Laden aber blieb an seinem Standort. Seit 1910 gibt es die Jugendstil-Einrichtung, die auch heute noch zu bewundern ist und unter Denkmalschutz steht. Kurz zuvor übernahm die Angestelltenfamilie Schwiering das Geschäft, und leitete es bis 2013. Es waren also die Schwierings, denen ich aus meiner Bude ins Fenster schauen konnte.

Links: Erker von Holtorf, Rechts: Mein ehemaliger Erker

Links: Erker von Holtorf, Rechts: Mein ehemaliger Erker

Nach einem vierjährigen Intermezzo mit einem anderen Betreiber hat das Oldenburger Unternehmen Heimathaven im Oktober letzten Jahres das Geschäft als Feinkostladen übernommen. Seitdem kann man nicht mehr so gut in den Laden schauen aufgrund einer Milchglasscheibe hinter der Deko, innen hat sich aber nicht allzu viel verändert. Aufgeräumter sieht es aus, es wurde Platz geschaffen für ein Mini-Café und die Veranstaltungen.

Hereinspaziert!

Hereinspaziert!

Übrigens habe ich im Übersee-Museum nachgefragt, in dem bis vor wenigen Jahren noch ein Kolonialwarenladen ausgestellt war. Auch wenn ich mir sicher bin, dort mal ein Foto von Holtorf gesehen zu haben – es handelte sich um einen anderen ganz ähnlichen Laden. Ist ja logisch, der von Holtorf konnte es nicht sein, der befindet sich ja sozusagen noch in Aktion. War aber klasse, das alles mit den historischen Waren zu sehen. Wenn die Bremen-Abteilung wieder eröffnet wird, dann ist er wahrscheinlich aber nicht mehr in der Dauerausstellung zu sehen. Schade.

Nachtrag vom 1. Juli 2018: Nach aktueller Info kommt der Kolonialwarenladen im Jahr 2019 doch wieder in die Bremen-Ausstellung zurück. Ich freue mich schon sehr!

Leckereien von hier und dort

Kaffeeregal

Kaffeeregal

Über Läden, die Produkte regionaler Manufakturen anbieten, haben wir bereits berichtet. Dazu gehören die NUR Manufaktur (inzwischen nur noch online), der Martinshof oder Fiev Sinn. Neu formieren sich die Bremer Stadtfabrikanten, die auf Veranstaltungen mit einem gemeinsamen Stand vertreten sind. Solche bremischen Produkte sind die idealen Souvenirs, sie haben eine Heimat. Während der Laden Geschichte förmlich atmet, steigt mir der Duft von Kaffee in die Nase. Ach ja, genau dafür bin ich ja gekommen.

Übrigens traf ich erst eine gute Bekannte, die mit einer Gruppe von Eat-the-world Halt in Holtorfs Heimathaven machte. Ich musste eine geraume Zeit warten, bis der Laden so leer war wie auf den Bildern. Rechtlich ist das eben einfacher. Vor dem Kaffeeregal quatschten wir eine Weile über alte und neue Zeiten. So ist Bremen.

Das Sortiment umfasst aber neben Kaffee auch vieles andere, was man sieht oder eben nicht. Zum Beispiel eine ordentliche Auswahl an Alkoholika – Craft Bier, Gin und so manch anderen Schluck. Dass es einen Whiskey meiner geliebten Band The Pogues gibt, das wusste ich bisher nicht. Aber als Biertrinkerin trieb mich die große Freude über diesen Fund nicht zum Kauf an.

Gevatter Stout meets Superfreunde meets "The Pogues" Whiskey

Gevatter Stout meets Superfreunde meets „The Pogues“ Whiskey

Nadine, die Inhaberin, schrieb mir passend: „Heimathaven macht euch alle dick, betrunken und glücklich!“. Wie passend, aber auch bei den süßen Schmankerln hielt ich mich zurück. Es war ein warmer Tag, ich hatte am Vortag meinen Schrank aufgeräumt, und musste einiges zur Seite legen. Mädels, ihr wisst Bescheid, Süßes musste vorübergehend ignoriert werden.

Sweets, sweets, sweets

Sweets, sweets, sweets

Früher gab es eine enorme Auswahl an Flocken, Körnern und Trockenfrüchten, man konnte dort sein eigenes Müsli mischen. Ich erfuhr, dass es das Müsli immer noch in 2 Varianten gibt, mit und ohne Weinbeeren, nach dem ursprünglichen Rezept. Pfeffer, Trockenfrüchte, Zitronat und solche Dinge ebenso. Und meine geliebten Datteln ohne Stein, ein Glück. Auch die helle Senfsaat, nur die dunkle nicht mehr. Das ist nun alles etwas versteckt, aber fragt doch einfach mal nach, hinter dem Tresen befinden sich wahre Schatzkisten.

Süße Sünden

Süße Sünden

Ach ja, und was war nun mit dem Kaffee? Meine langjährige Kollegin Carolin kennt ihr ja als Bloggerin. Sie geht nun neue berufliche Wege, wie sie euch schon berichtet hat, und für sie brauchte ich ein Geschenk. An dieser Stelle wünsche ich dir, Carolin, noch einmal alles Gute für die Zukunft, und – man sieht sich!

Spannende Tastings in schöner Umgebung

Der Kaffee selbst war eher als Dekoration gedacht. Zum Trinken natürlich auch, wäre sonst ja schade drum. Carolin wollte gerne einmal bei einem Kaffee-Tasting mitmachen, von Cross Coffee hier im Heimathaven veranstaltet. Alles klar, kein Problem!

Ihr bevorzugt Gin? Auch solche Tastings werden hier veranstaltet. Ich erinnere mich an Maikes Begeisterung nach dem Gin-Tasting bei Birgitta Rust, aber das ist in Walle. Mir fällt auch Rike ein, die bei Brolters ein Bier-Tasting getestet hat – auch so etwas findet hier statt. Oder lieber Whiskey? Schaut doch einfach mal rein, direkt im Laden oder im Internet.

Auf unserer Website findet ihr übrigens einige Manufakturen, in denen ihr auch selbst Hand anlegen oder probieren dürft.

Das quirlige Viertel, und Holtorf (ganz links) mittendrin

Das quirlige Viertel, und Holtorf (ganz links) mittendrin

Mitten im Viertel liegt das Geschäft, fast am Sielwall-Eck. Der Laden ist hier eine Oase der Ruhe, draußen pulsiert das Leben. Und ich fühle mich wieder zu Hause, in meinem Heimathafen, dem mit dem „f“. Hier, wo mal mein perfekter Tag für lau endete. Passte irgendwie, am ersten heißen Tag des Jahres, vor einem knappen Monat … Ihr seht, dieses Bild kommt aus dem Fundus, da war es frischer.

Altes Mobiliar, alte Zementfliesen

Altes Mobiliar, alte Zementfliesen

2 Anmerkungen zu “Holtorf – alter neuer Heimathaven

  1. vogel says:

    Die Holtorf-Einrichtung kann man auch in 360° besuchen. Im Sommer 2015 hatte ich Gelegenheit dort eine kleine virtuelle Tour zu erstellen. Vgl.: https://goo.gl/maps/sB6bcqMUW732

  2. Moin Herr Vogel, das ist ja klasse. Noch die Einrichtung des Vorgängers vom Heimathaven, aber so viel hat sich ja auch nicht geändert.

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