Jugendherberge Bremen – Geselliger Ort an der Weser

Die Jugendherberge Bremen könnte zentraler kaum liegen. Direkt an der Weser, am unteren Ende der Schlachte, ist sie jährlich Anlaufstation für über 20000 Übernachtungsgäste. Der gelbe, kubusförmige Anbau ist seit 2005 ein markanter Wegweiser für Reisende auf und neben dem Fluss. Ich war zu Besuch in der Herberge und habe wieder einmal einen Ort mehr in der Hansestadt entdeckt, den ich auch Einheimischen nur empfehlen kann.

An einem wunderschönen, sonnigen Vormittag im Januar mache ich mich zur Jugendherberge an der Weser auf. Dort angekommen kann ich mich fotografisch kaum lösen von dem Kontrast, der sich zwischen dem strahlend blauen Himmel und dem gelben Kubus des Gebäudes zeigt. Seit 2005 ist dieser Würfelaufbau als markantes Bauwerk an der Weser zu entdecken. Das ursprüngliche Gebäude in Ziegelarchitektur stammt schon aus den 1950er Jahren und wurde von Carsten Schröck entworfen.

Markantes Bauwerk: Als wenn die Architekten geahnt haben, dass sich das Gelb besonders gut vor blauem Himmel macht.

Markantes Bauwerk: Als wenn die Architekten geahnt haben, dass sich das Gelb besonders gut vor blauem Himmel macht.

Im großzügigen Eingangsbereich treffe ich mich mit Berna Demiroglu und Gesa Hauschild. Wir nehmen an einem der kleinen Tische gegenüber der Rezeption Platz. Frau Demiroglu ist seit vergangenem Jahr die Hausleiterin der Jugendherberge in Bremen. Frau Hauschild arbeitet in der Marketing- und Social Media-Abteilung des Landesverbandes Unterweser-Ems, der insgesamt 27 Häuser vereint und hier in Bremen (in der Neustadt) seine Zentrale hat. Momentan läuft bereits alles in großer Vorbereitung, denn die Deutsche Jugendherbergen feiern bundesweit in diesem Jahr den 111. Geburtstag mit vielen Angeboten und Programm.

Viel mehr als ein Hotel

Bevor wir uns auf einen Rundgang durchs Haus machen, spreche ich mit den beiden Frauen über die Besonderheiten, die so eine Jugendherberge auszeichnen. „Wir sind eben nicht nur eine einfache Übernachtungsstätte“, betont Frau Demiroglu. „Bei uns steht vor allem die Gemeinschaft im Vordergrund.“ Auch Frau Hauschild bestätigt, dass so eine Jugendherberge immer auch als Begegnungs- und Lernort fungiere. Daher seien auch viele Schulgruppen unter den Gästen, aber auch andere Jugend- und Erwachsenengruppen würden regelmäßig buchen. Für alle seien auch unterschiedliche Programme buchbar – von Stadtführungen bis hin zu Tagesausflügen.

Jede Menge Raum für Gemeinschaftliches: Ob zum Spielen, Tagen oder gemütlichem Unterhalten - die Einrichtung bietet zahlreiche Möglichkeiten.

Jede Menge Raum für Gemeinschaftliches: Ob zum Spielen, Tagen oder gemütlichem Unterhalten – die Einrichtung bietet zahlreiche Möglichkeiten.

Während wir im Foyer des Hauses unser Gespräch führen, nehme ich um uns herum tatsächlich eine persönlichere Atmosphäre wahr, als ich es aus anderen Unterbringungsmöglichkeiten kenne. Am Tisch nebenan, sitzt eine dreiköpfige Familie und scheint sich in Reiseführern blätternd gerade den Plan für den Tag zurechtzulegen. Immer mal wieder schnappe ich bei den vorbeikommenden Grüppchen Fetzen fremder Sprachen auf. Einige scheinen aber auch Einheimische zu sein, sie bewegen sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zur Treppe in den ersten Stock. „Wir bieten in unserer Kantine einen offenen Mittagstisch an“, erklärt mir die Hausleiterin. „Daher kommen auch viele von den ansässigen Firmen, um hier mittags zu essen.“

Rundum gut versorgt

Wenige Momente später stehe ich mit Frau Hauschild und Frau Demiroglu auch schon im Eingang des langgezogenen Speisesaals im 1. OG. Der Raum zieht sich an der Weserseite entlang und ist selbst an einem Wintertag wie heute sonnendurchflutet. Es herrscht eine entspannte und warme Atmosphäre.

Fürs leibliche Wohl: Im Speisesaal der Jugendherberge wird nicht nur Frühstück angeboten, sondern auch ein Mittagstisch, zu dem auch Externe herzlich willkommen sind.

Fürs leibliche Wohl: Im Speisesaal der Jugendherberge wird nicht nur Frühstück angeboten, sondern auch ein Mittagstisch, zu dem auch Externe herzlich willkommen sind.

Ich erfahre, dass das Angebot täglich wechselt und immer auch vegetarische Alternativen, manchmal sogar Veganes, bietet. Heute gibt es Enchiladas. Mir läuft beim Anblick schon ein bisschen das Wasser im Mund zusammen. Netterweise werde ich direkt zum Essen eingeladen und sitze kurz darauf mit meinen beiden Begleiterinnen an einem der hinteren Tische. Morgens wird hier im Haus das Frühstück für die Übernachtungsgäste angeboten, abends können Gäste hier nach Voranmeldung sogar auch speisen. Zudem gibt es unten an der Rezeption kleine Snacks und Getränke.

Das Sahnehäubchen ist obenauf

Nach dem Essen besichtigen wir ein weiteres Herzstück der Einrichtung. Die Dachterrasse, die sich ebenfalls wie der Speisesaal an der Südseite des Gebäudes befindet, steht im gleißenden Sonnenlicht. Hier ließe sich selbst heute bei winterlicher Frische ordentlich Sonne tanken. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Terrasse im Sommer ein echter Hotspot ist. Für Grillabende stehen sogar ein paar richtig gute Grills bereit. Mit dem Blick auf den Fluss kommt selbst in mir als Einheimische ein kurzes Gefühl von Urlaub auf.

Auf der Dachterrasse lässt es sich bei Sonnenschein gut sitzen und genießen. Das findet auch die Hausleiterin Berna Demiroglu.

Auf der Dachterrasse lässt es sich bei Sonnenschein gut sitzen und genießen. Das findet auch die Hausleiterin Berna Demiroglu.

Alt trifft neu: Die Architektur des Gebäudes ist nicht nur für Fotografierende spannend zu betrachten.

Alt trifft neu: Die Architektur des Gebäudes ist nicht nur für Fotografierende spannend zu betrachten.

Im Innern des Kubus

Nach der ausgiebigen Besichtigung der Dachterrasse, von der sich auch gut die architektonischen Elemente des Gebäudes erkennen lassen, werfen wir einen Blick ins Innere des gelben Würfels. Unten finden sich einige Seminar- und Gemeinschaftsräume mit Fernseher und allerlei Ausstattung. Ich erfahre von meinen Begleiterinnen, dass sich alle Seminarräume auch von Externen anmieten lassen – auch der große Raum unterhalb des Speisesaals.

Von praktisch bis gemütlich: Im Kubusanbau haben fast alle Zimmer einen tollen Blick auf die Weser oder in Richtung Innenstadt.

Von praktisch bis gemütlich: Im Kubusanbau haben fast alle Zimmer einen tollen Blick auf die Weser oder in Richtung Innenstadt.

In den oberen Etagen des Würfels befinden sich zahlreiche Schlafräume unterschiedlicher Größe. Insgesamt verfügt die Jugendherberge über 56 Zimmer mit insgesamt 216 Schlafplätzen. Ich darf sowohl in ein ganz kleines Zimmerchen mit Doppelbett und wunderschönem Blick aufs Wasser als auch in einen sechser Schlafraum mit drei Etagenbetten schauen. Zuletzt zeigt mir Frau Demiroglu auch noch einen Raum, der sich gut für Familien eignet, weil sich das Etagenbett unten ausklappen lässt und so für drei Personen Platz bietet. Alle Räume sind lichtdurchflutet, robust und praktikabel aber dennoch einladend mit viel Holz eingerichtet und haben bodentiefe Fenster, die einen Blick in Richtung Weser und Innenstadt freigeben. Außerdem haben alle ein eigenes Bad mit WC und Dusche. Als Gast würde ich mich hier definitiv pudelwohl fühlen :) Auch Radwanderer sind herzlich willkommen und können ihre Drahtesel im extra vorgesehen Keller unterstellen. Für sie wie auch für Backpacker ist es natürlich sehr interessant, dass sie keine eigene Bettwäsche und Handtücher mitbringen müssen, da diese von Haus aus gestellt werden.

Der Radwanderweg an der Weser führt direkt an der Jugendherberge vorbei.

Der Radwanderweg an der Weser führt direkt an der Jugendherberge vorbei.

Auf dem Wasser

Ein ganz besonderes Highlight wartet am Flussufer auf uns. 2008 übernahm die Jugendherberge den nachgebauten Raddampfer „Die Weser“, der einem Original von 1817 nachempfunden ist (allerdings ohne Antrieb). Die Jugendherberge machte das Schiff kurzum zum Gästeschiff mit zusätzlichen 30 Schlafplätzen. Ich war ehrlich gesagt schon immer etwas neugierig, wie es wohl im Innern aussieht, und freue mich jetzt sehr, dass ich diesen Einblick bekomme. Nachdem wir über eine Holzstiege in den Schiffsrumpf gelangt sind, entdecke ich linker Hand die Kajüten wie ich sie mir vorgestellt habe. Klein, schmal und auch nicht all zu hoch, in einem Schiff ist eben nicht viel Platz. Doch dann wende ich mich nach rechts und staune nicht schlecht. Der Raum, der sich vor mir erstreckt bietet Platz für mehr als eine ganze Fußballtruppe. Wieder entstehen in meiner Vorstellung Bilder, wie es hier wohl munter und gemütlich zugeht, wenn eine Schulklasse eingezogen ist. Vor allem wirkt es im Innern viel größer als es sich von außen ahnen lässt.

Von innen größer als gedacht: Das Gästeschiff "Die Weser" bietet Platz für 30 Schlafgäste und lässt sich pauschal anmieten.

Von innen größer als gedacht: Das Gästeschiff „Die Weser“ bietet Platz für 30 Schlafgäste und lässt sich pauschal anmieten.

An Deck ist jetzt aktuell schon alles für die bevorstehende Inspektion in der Werft zusammengeräumt. Im Sommer aber können Gäste es sich auch hier gemütlich machen.

Wir treten zurück an die befestigte Promenade und verabschieden uns. Ich laufe an der Schlachte entlang zurück. Cafés, Restaurants, Kneipen – alles innerhalb kürzester Zeit erreichbar. Dahinter liegt die Innenstadt mit all ihren Shopping-Möglichkeiten, aber vor allem auch mit dem historischen Stadtkern rund um den Dom. Auch das Schnoor-Viertel ist nicht weit. Wenn ich zu Besuch wäre in dieser Stadt, würde ich auch in der Jugendherberge übernachten.

Sehr zentral: Von hier aus ist viele fußläufig bestens erreichbar.

Sehr zentral: Von hier aus ist viele fußläufig bestens erreichbar.

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