Wer zielen kann, ist klar im Vorteil – Kneipensport in Bremen

Kneipensport erfreut sich wohl schon lange großer Beliebtheit. Auch in mir kommt das Spielkind hoch, wenn Billard- und Kickertisch oder eine Dartscheibe in der Nähe sind. Was die Kickerszene angeht, kann man Bremen nichts vormachen. Hier und da findet sich auch ein Billardtisch. Aber als ich mit Freundinnen auf Kneipensporttour bin, müssen wir schnell feststellen: Nach Dartscheiben muss man ziemlich lange suchen…

Es ist Mittwochabend Anfang April. Wir wollen mit Darten starten (nicht nur, weil es sich reimt) und treffen uns im Malenchen am Sielwall. Schon beim Blick durch die großen Sprossenfester ins Innere befürchte ich, dass wir zu einem schlechten Zeitpunkt hier auftauchen. Die Barkeeperin bestätigt mir dann: Heute Abend sind beide Scheiben bis etwa zehn Uhr besetzt. Die Dart-Funliga ist zu Gast.

Na, immerhin scheinen noch mehr Leute an diesem Sport Spaß zu haben. Kurzum schmeißen wir den eigentlich Plan um und schlendern durch die Seitenstraßen in die Weberstraße zum Wienerhof Café. Hier steht ein Billardtisch und wir haben Glück: Er ist frei!

„Gut Stoß“ – oder wie heißt das?

Mich beschäftigt immer noch die Frage, wo in diesem Viertel noch eine öffentliche Dartscheibe hängt. Weder im Malenchen noch hier im Wienerhof Café kann man mir sie beantworten. Ich wittere regelrecht einen „Skandal“. Schließlich scheint das Spiel ja nicht unbeliebt zu sein, wenn es schon eine Funliga gibt.

Doch meine Begleiterinnen sind inzwischen voll auf Billard konzentriert. Sie haben bereits die Kugeln auf dem Tisch im hinteren Teil der beliebten Viertelkneipe angeordnet und widmen sich jetzt den Regeln. „Die Schwarze muss am Ende ins gegenüberliegende Loch.“ Oder doch nicht: „Es muss vorher angesagt werden, wo man sie reinschießt.“ Und: „Heißt es eigentlich schießen oder stoßen?“

Nach kurzer Regelklärung, einer Teamauswahl per „Tip-Top“-Fußlängenspiel wie zu Schulzeiten und natürlich dem wichtigen Moment der Namensnennung der Zweierteams in „Bibi und Tina“ und „Hanni und Nanni“ geht’s los.

Nach kurzer Zeit ist der Raum mit einer riesigen Portion guter Laune gefüllt. Spaß ist wohl das, was Kneipensport am ehesten ausmacht. Ich kann da als langjähriges Mitglied der Wilden Kicker Liga Bremen aus eigener Erfahrung berichten: Wer keinen Spaß beim Spiel hat, macht etwas falsch.

Guter Ort für gute Laune - im Wienerhof Café steht ein Billardtisch. Unten links lässt sich erkennen, warum wir die Queue-Brücke nach einem Comic-Helden benannten...

Guter Ort für gute Laune – im Wienerhof Café steht ein Billardtisch. Unten links lässt sich erkennen, warum wir die Queue-Brücke nach einem Comic-Helden benannten…

Übung macht die Meisterinnen

Nichtsdestotrotz will so ein Spiel natürlich auch gelernt sein. Spaß entsteht ja schließlich auch durch Erfolgserlebnisse. Beim Betrachten der Szenen im Billardraum mit meinen Freundinnen muss ich allerdings erwähnen: Der Spaß besteht vor allem auch darin, Dingen lustige Namen zu geben. Ich werde natürlich kurzum „Karla Kulumna“ getauft (ist ja klar) und die Queue-Auflage (im Fachjargon Queue-Brücke) nennen wir liebevoll „Batman“. Ich denke, auf dem Bild unten links lässt sich erkennen, wie wir auf diesen Namen gekommen sind. Wir entfalten allesamt ziemlich schnell unseren gut erlernten Kneipenhumor. Gehört irgendwie dazu :)

Warteschlange – Früh da sein, zahlt sich aus

Nach zwei Runden, die durch das falsche Versenken der schwarzen Kugel im zweiten Spiel, beide für „Bibi und Tina“ ausgehen, ziehen wir weiter. Der Billardtisch ist heiß begehrt, im Lauf des letzten Spiels haben sich auf der kleinen Tafel, wo wir unsere Teamnamen notiert haben, bereits zwei weitere Teams eingetragen, die das Gewinnerteam herausfordern. Wir fragen die Spieler, ob sie von einer Dartscheibe im Viertel wüssten, blicken aber auch hier in ratlose Gesichter.

Urlaub in der Kneipe

Unser nächstes Ziel ist das „Urlaub“. Das ist gewissermaßen ein Heimspiel für mich, weil ich hier eine Zeitlang ziemlich regelmäßig gekickert habe. Wir nehmen uns gleich von der Bar vorne Getränke mit und gehen in den hinteren Teil der schmalen Kneipe. Der Kickertisch ist besetzt, aber ähnlich wie beim Billardspielen im Wienerhof Café kann man hier auch einfach per Klopfzeichen auf die Tischkante das Gewinnerteam herausfordern. Nach ein paar Minuten ist es soweit und schon finde ich mich in einem spannenden Gekicke mit einer meiner Begleiterinnen an meiner Seite wieder. Die Jungsrunde, der wir uns gegenübersehen, wird spätestens ab dem 4 zu 2 für uns merkbar unruhiger. Auch die Nichtspielenden stehen jetzt auf und gucken ihren Freunden beim Spielen über die Schulter. Wir sind ganz gut in Form und gewinnen das Spiel nach zwei weiteren Toren. Wie in fast allen Kneipen wird auch hier bis sechs gespielt. Obwohl wir eigentlich als Gewinnerinnen stehen bleiben könnten, überlassen wir unseren Gegnern den Tisch wieder. Schließlich müssen wir noch eine Dartscheibe finden.

Die Kickerdichte ist in Bremen ziemlich hoch. Das Niveau übrigens auch...

Die Kickerdichte ist in Bremen ziemlich hoch. Das Niveau übrigens auch…

Ab an die Scheibe

Es ist inzwischen kurz vor zehn Uhr und wir entscheiden, es noch einmal im Malenchen zu versuchen. Vielleicht haben wir ja Glück. Tatsächlich ist eine der Dartscheiben gerade frei geworden, als wir nach kurzem Spaziergang wieder an unseren anfänglichen Treffpunkt gelangen. Das läuft ja super. Außerdem ist gerade die richtige Ansprechpartnerin in Sachen Dart eingetroffen. Die Kneipenchefin vom Malenchen kann mir gleich eine ganze Hand voll Orte in der Stadt aufzählen, wo Dartscheiben hängen. Sie hat direkte Kontakte in die Verbandliga. Ich bin beeindruckt. Da tut sich eine Art Parallelwelt auf, mit der ich bisher noch keine Berührung hatte.

Wir bekommen drei Pfeile an der Bar und lassen uns von den Dartspielern an der Nachbarscheibe kurz das Punktesystem erklären. Diesmal werden die Teams (gleiche Namen) per Schnick-Schnack-Schnuck ausgelost. Dann starten wir mit einem 301-Spiel, bei dem vom Wert 301 die erzielten Punkte abgezogen werden, bis man genau bei Null landet. Gar nicht so einfach – weder das genaue Treffen noch das anschließende Rechnen. Aber wir haben Spaß. Einer unserer Nachbarn stellt uns danach noch das Spiel mit dem Namen „Micky Mouse“ vor – lustige Namen scheinen heute Abend irgendwie Programm zu sein. Bei dieser Spielvariante spielt nun jede für sich und muss bestimmte Felder treffen. Das übt ganz gut, wir stellen allerdings bald fest, dass es vielleicht schon etwas spät ist, um noch so richtig Ehrgeiz zu entwickeln.

Verschiedene Spielvarianten beim Dart üben das Zielen. Es macht aber auch schon Spaß, einfach drauf los zu darten :)

Verschiedene Spielvarianten beim Dart üben das Zielen. Es macht aber auch schon Spaß, einfach drauf los zu darten :)

Kegeln und co.

Mit Kickern, Billardspielen und Darten haben wir wohl schon die beliebtesten Kneipensportarten abgedeckt. Natürlich gibt es darüber hinaus auch noch jede Menge Bars, in denen man auch Gesellschaftsspiele leihen kann. Außerdem findet sich wahrscheinlich in jeder Eckkneipe ein eingesessener Skatstammtisch. Aber das ist irgendwie nicht dasselbe. Kneipensport zeichnet sich dann doch zumindest durch ein gewisses Mindestmaß an körperlicher Aktivität aus. Hinzu kommt das Spiel aus Geschicklichkeit, Glück und Taktik. Das alles macht auch unseren Abend zu einer ziemlich runden Sache. Nicht zuletzt gehört natürlich irgendwie auch ein Bierchen mit dazu. Das macht es umso gemütlicher und geselliger. Als wir uns vorm Malenchen verabschieden, halten wir alle zufrieden fest: Das hat Spaß gemacht, das machen wir wieder.

Als weitere Spiele fallen uns noch Kegeln, Shuffle und Flippern ein. Kegelnbahnen werden tatsächlich immer rarer in der Stadt. In Findorff gibt es Bowlingbahnen und im Bremer Süden an der Duckwitzstraße wohl noch eine Kegelbahn. Ein Holzshuffleboard (auch Jakkolo) wird manchmal im „Urlaub“ aufgebaut, erinnere ich mich. Ob im „Heartbreak Hotel“ nebenan noch der Flipper steht, auf dem ich vor Jahren mal gespielt habe, müsst ihr selbst herausfinden. Dort sind wir auf unserer Tour am Ende nicht mehr gelandet.

Nur ein klitzekleiner Ausschnitt aller Möglichkeiten. Wenn es Nacht wird in Bremen ist die Kneipenspielzeit eröffnet!

Nur ein klitzekleiner Ausschnitt aller Möglichkeiten. Wenn es Nacht wird in Bremen ist die Kneipenspielzeit eröffnet!

Natürlich zeigt unsere Tour nur einen winzigen Ausschnitt aller Möglichkeiten. Wir sind im Laufe unseres Abends mit vielen Leuten ins Gespräch über Kneipensport in Bremen gekommen. Da ist eine beträchtliche Liste unterschiedlicher Orte zusammen gekommen. In Walle gibt es zum Beispiel die vereinsgeführte Bar „Druide“, wo gedartet werden kann. In Hastedt gibt es das „Kleggs“. Weitere Spielstätten finden sich auch auf der Website des Bremer Dartverbands.

Dann gibt es natürlich noch zahlreiche Kickerkneipen. Vollständigkeit ist hier kaum erreichbar. Daher nur ein paar Ergänzungen wie die Elo.bar und das Connection in der Neustadt. Im Malenchen steht auch ein Tisch. Dann gibt es noch das Flixen, das an unterschiedlichen Orten stattfindet. Und wer regelmäßig dem Kneipenkickern nachgehen möchte, kann sich ja mal auf der Website der Wilden Kicker Liga Bremen umschauen.

Und Billard? Auf Anhieb fallen mir drei Tische ein: Der beschriebene im Wienerhof Café, einer im Art Yard in der Humboldstraße 138 und einer in der Neustadt im Tequila.

Welche Tische und Scheiben kennt ihr noch? Zählt doch mal in den Kommentaren weitere Orte auf. Danke!

Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß beim wahrscheinlich angenehmsten Sporttreiben der Welt :)

Ein Kommentar zu “Wer zielen kann, ist klar im Vorteil – Kneipensport in Bremen

  1. Dennis says:

    Also da wart ihr einfach nur in den falschen Kneipen. Dart ist in Bremen, oder auch generell im Norden echt beliebt. Wir sind bei uns gerade dabei eine Map zu erstellen mit entsprechenden Locations in und um Deutschland. Von daher kann ich sagen der Norden ist sehr gut vertreten was den Kneipensport angeht. :)
    Ansonsten freut es mich das der Kneipensport weiter wächst und sich auch beim jungen Publikum noch lange nicht abgeschrieben ist.
    LG
    Dennis

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