Kunst und Küche an der Kleinen Weser

An der Kleinen Weser tut sich eine Menge. Sie trennt sich an der Weserburg von der Weser, der großen. Die Mischung von kulturellen Veranstaltungen, kulinarischen Leckereien und kreativen Ideen führt dazu, dass immer mehr junge Menschen den Weg – sogar aus dem Viertel – in die Neustadt finden. Und dass ich nicht mehr so weit laufen muss. Sehr fein!

Die Weserburg auf dem Teerhof – Ausflug in die Geschichte

Schon im 13. Jahrhundert widmete man sich auf dem Teerhof dem Schiffsbedarf. Im 15. Jahrhundert siedelten sich Werften an, die die Fugen der Schiffe zwischen den hölzernen Planken mit geteertem Tauwerk abdichteten. Die in Bremen anfallenden Teerarbeiten mussten in das neu errichtete Teerhaus verlegt werden, wegen der Brandgefahr wurde das private Teeren innerhalb der Altstadt verboten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Teerhof schwer beschädigt, die Weserburg war fast komplett zerstört. Der ansässige Kaffeebetrieb ließ nach dem Krieg eine neue Weserburg aufbauen, der Rest des Teerhofs lag brach. Die Stadt Bremen kaufte die Weserburg nach der Schließung der Rösterei 1973. 1989 wurde das Museum gegründet, und erst ab 1991 wurde der Teerhof wieder weitgehend vollständig bebaut. Die Wohngebäude sollten in ihrer Architektur an die ehemaligen Packhäuser erinnern.

Die Weserburg - hier trennen sich (große) Weser und Kleine Weser

Die Weserburg – hier trennen sich (große) Weser und Kleine Weser

Die Weserburg – historisches Gebäude mit moderner Kunst

Von der Weserpromenade Schlachte aus ist die Weserburg gut zu sehen. Bei einem Erfrischungsgetränk kann man wunderbar diskutieren, was uns wohl der Spruch am Gebäude sagen soll: Auf Sand gebaut. Tatsächlich (aus) auf anderem Grund. Bitte nutzt für eure Interpretationen fleißig die Kommentarfunktion unten.

Die Weserburg auf dem Teerhof: Auf Sand gebaut

Die Weserburg auf dem Teerhof: Auf Sand gebaut

Die Weserburg ist Bremens Museum für Moderne Kunst. Sie genießt internationales Ansehen, und zeigt Stücke der Sammlungsbestände ebenso wie Sonderausstellungen. Nur noch kurz – oh, bis morgen! – ist die Sonderausstellung „Land in Sicht“ zu sehen. Gerade begonnen hat dagegen die Mitmachausstellung im kek für Kinder ab 4: Gestatten, ich bin dein Schatten!

Das Studienzentrum für Künstlerpublikationen hat den größten und bedeutendsten Bestand an publizierten Kunstwerken in Europa und gilt international zu den wichtigsten Institutionen im Bereich der Künstlerpublikationen.

Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst sieht sich als „den Ort für internationale richtungsweisende Kunst der Gegenwart in Bremen“. Derzeit kooperiert sie unter anderem mit dem (fast) benachbarten Künstlerhaus Bremen im Rahmen des Kunstprojekts „Im Inneren der Stadt“.

Die Eingänge befinden sich im Durchgang der Weserburg, der zum Teerhof führt. Zur GAK gelangt man zudem über die Kulturküche, die von außen sehr unscheinbar ist – seht ihr auf den Bildern oben die kleine Tür links? Da geht es gleich hinein …

KUNST JETZT. GAK und Weserburg zeigen aktuelle und moderne Kunst.

KUNST JETZT. GAK und Weserburg zeigen aktuelle und moderne Kunst.

Kulturküche – ein offener Ort für alle

Die Kulturküche wurde erst vor kurzer Zeit eröffnet und sieht sich als ein offener Ort für alle, die etwas umsetzen möchten: Musik, Lesungen, Kochprojekte unter Nutzung der professionellen Küche dort und mehr. „Ein kulinarischer Coworking Space und Kulturort, der durch die Nutzer selbst gestaltet und finanziert werden kann.“, so ist es dort zu lesen. Es gibt diverse Kooperationen, zum Beispiel legt Janosch aus der Panama-Bar dort häufiger auf. Und man arbeitet weiter am Thema Nachhaltigkeit, indem nicht mehr verkäufliche, aber einwandfreie Lebensmittel verarbeitet werden. Ideen gibt es wohl mehr als Geld. Das Projekt solltet ihr also unbedingt durch fleißigen Konsum unterstützen!

Drei regelmäßige Termine gibt es derzeit: Den Plattenteller mittwochs 12-14 Uhr, Nachfolger von penGwyn. Über den hatte Theresa berichtet. Musik und Mittagstisch also. Bei der Gerüchteküche freitags ab 18 Uhr gibts zur Musik frische Gerüchte und Drinks. Und bestimmt auch was zu muffeln. Sonntags findet dann das Kunst-(Früh)Stück statt. Genau das bereitet mir Sarah zu, während Karl mir noch das Konzept erklärt. Mein Magen knurrt dabei schon mächtig.

Nachtrag Dezember 2016: Das Kunstfrühstück ist Geschichte, die Termine oben eventuell auch, aber es entsteht in der Kulturküche immer etwas Neues …

Nachtrag Januar 2018: Leider hat die Kulturküche geschlossen. Dafür hat das Restaurant Tau dort die Pforten geöffnet! Sobald wir es schaffen, das Tau zu besuchen, aktualisieren wir diesen Artikel.

Sarah und Karl vom Kulturküchen-Team

Sarah und Karl vom Kulturküchen-Team

Morgens ist noch nicht allzu viel los, die Gäste finden sich eher später ein. Es gibt Plätze mit Blick zur Schlachte, und welche mit Blick auf den Weserburg-Eingang. In die gelangt man nach dem Frühstück übrigens vergünstigt. Durch die gelbe Tür ganz hinten geht es direkt zur GAK.

Das Frühstück ist super. Man kann unter frisch zubereiteten Aufstrichen individuell wählen, bekommt regional gerösteten Kaffee, alles ist vegan und lecker. Mir ist die Qualität auch durchaus das Geld wert. Auf dem Zettel steht, dass dazu Literatur, Kunst und Märchen gereicht werden. Danach hätte ich wahrscheinlich fragen müssen, wenn ich interessiert gewesen wäre. Für mich war es einfach ein entspanntes, ruhiges Frühstück. Mit ganz toller Schokocreme. Der Hund an der Theke hat es wohl ebenso entspannt empfunden.

Kulturküche: Spannende Ausblicke und leckeres Frühstück

Kulturküche: Spannende Ausblicke und leckeres Frühstück

Wohnen im Fluss – der Teerhof

Auf dem Teerhof ist es eher ruhig, nicht viele Flaneure verirren sich hierher. Eine Fußgängerbrücke führt über die Kleine Weser zur Neustadt, und eine zur Schlachte. An mehreren Stellen sind Kunstwerke zu sehen, unter den Arkaden sollten sich bestimmt mal mehr Geschäfte ansiedeln. Ein Kleinod sollte es werden, mitten in der City, und mitten im Fluss. Ich laufe häufiger mal hier entlang, auf dem Weg in die Stadt, bin mir aber bis heute nicht sicher was ich von der Stimmung und Architektur halten soll. Aber schaut selbst …

Wohnen und Kunst auf dem Teerhof

Wohnen und Kunst auf dem Teerhof

Die Kleine Weser – Ruhe kehrt ein

Wenn es auf der anderen Seite, an der Schlachte, brummt, dann kann man auf dieser Seite des Teerhofs die Ruhe genießen. Einen Blick auf die Überseestadt hat man ebenfalls, was besonders abends schön ist, wenn der Weser-Tower blau leuchtet.

Der Deich führt einerseits zur Brauerei Beck & Co, und weiter in den Neustädter Hafen. In der anderen Richtung gelangt man zum Werdersee mit dem Naherholungs- und Naturschutzgebiet.

Die Kleine Weser - links der Deich, rechts der Teerhof, vereinzelt Kunst

Die Kleine Weser – links der Deich, rechts der Teerhof, vereinzelt Kunst

Gastronomie an der Kleinen Weser

In dieser städtischen Idylle befindet sich das Künstlerhaus Bremen, ein Modellprojekt der Kunst- und der Künstlerförderung. Zum einen mit der Galerie, die – wie oben bereits benannt – derzeit mit der GAK zusammenarbeitet. Zudem gibt es dort das Restaurant am Deich. Und Ateliers, und …

Ein kleines Stück weiter findet ihr die Alte Schnapsfabrik. Dort haben sich nicht nur junge kreative Unternehmen angesiedelt, sondern auch der Karton. Da gibts leckeren veganen Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, Veranstaltungen wie Konzerte und Diskussionsabende und mehr. Und viele gemütliche Sofas.

Wer nach der ganzen Kultur abends noch ein wenig weiterziehen möchte, der findet gleich um die Ecke die Auszeit, das Papp, Charlotte Gainsbourgh oder das 1st class suicide. Und wie wäre es danach mit einer Party ganz in der Nähe, im Modernes an der Hochschule?

Kultur und Kulinarik: Papp, Karton und das Künstlerhaus

Kultur und Kulinarik: Papp, Karton und das Künstlerhaus

 

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