Musik und Licht am Hollersee

Einmal jährlich findet im September das Umsonst-und-draußen-Fest Musik und Licht am Hollersee statt. An einem Sonntagabend entflammen Hunderte Fackeln und tauchen das kleine Gewässer am südlichen Rande des Bürgerparks in gemütliches Licht. Das Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte spielt dazu Klassik und Modernes. Beim 30. Mal war ich dabei und habe gemeinsam mit über 20.000 Menschen den Sommer verabschiedet.

Als ich um zwanzig vor Acht mit meinem Fahrrad am südlichen Rand des Bürgerparks ankomme, habe ich Schwierigkeiten, noch einen geeigneten Parkplatz zu finden. Die bereit gestellten Radständer sind allesamt schon gut besetzt und ich ergattere erst nach kurzer Suche einen Stellplatz. Pünktlich zum Sonnenuntergang betrete ich die östliche Flanke entlang des Hollersees.

Bremen ist und bleibt Fahrradstadt - da wird es mit dem Parkplatz manchmal eng.

Bremen ist und bleibt Fahrradstadt – da wird es mit dem Parkplatz manchmal eng.

Meine Vermutung bestätigt sich: Es ist rappelvoll. Langsam bahne ich mir einen Weg durch die Massen. Um mich herum haben es sich die Besucherinnen und Besucher auf ausgebreiteten Decken und aufgeklappten Stühlen gemütlich gemacht. Bereits auf meiner Anfahrt habe ich zahlreiche Menschen mit Decken unterm Arm oder verpackte Klappstühlen über der Schulter überholt. Nun warten alle entspannt auf den Beginn des Konzertes. Mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Getränke verkürzen das Warten, vorbereitete Speisen oder zuvor gekaufte Pizza auch.

Einmal rund herum

Auf der Suche nach einer guten Perspektive für meine Fotos wandere ich hinter dem Park Hotel entlang und gelange so auf die westliche Seite des Sees. Von hier ist der Blick auf die Bühne am Südufer auch ganz gut, allerdings möchte ich gerne das prunkvoll beleuchtete Park Hotel samt späterem Feuerwerk auf meine Fotos bannen. Daher schlängel ich mich durch die Massen immer weiter in Richtung Bühne. Ab und zu bleibe ich stehen, stelle mein Stativ auf und mache ein paar Bilder. Ich schnappe Gesprächsfetzen auf über das zurückliegende Wochenende und das Werderspiel, das noch am Nachmittag stattgefunden hat. Manche suchen noch ein Plätzchen zwischen all den Decken und Stühlen, andere scheinen ihre Begleitung verloren zu haben und versuchen sie wiederzufinden.

Das Park Hotel erstrahlt an diesem Abend besonders prunkvoll. Hier gibt es auch eine begrenzte Ticketanzahl für Bezahlplätze.

Das Park Hotel erstrahlt an diesem Abend besonders prunkvoll. Hier gibt es auch eine begrenzte Ticketanzahl für Bezahlplätze.

Zum Anbruch der Nacht hell erleuchtet

An den Stufen zum Wasser am Park Hotel-Ufer zünden zwei Menschen nach und nach große Fackeln an, die im Halbkreis aufgestellt sind. Das scheint das Zeichen für alle anderen zu sein, die nun die erstandenen Fackeln um sich herum anstecken. Mehr und mehr Lichter lodern auf. Die Sonne ist inzwischen einem nächtlichen Blau gewichen. Doch die Fackeln tauchen alles in ein warmes Licht.

Unzählige Fackeln am Ufer tauchen den Hollersee in ein zauberhaftes Licht.

Unzählige Fackeln am Ufer tauchen den Hollersee in ein zauberhaftes Licht.

Der Erlös der vor Ort angebotenen Brennwaren fließt übrigens zur Hälfte ins Orchester und zur Hälfte in den Bürgerpark. Der Moderator des Abends, Jasper Seibert, wird im Laufe der Show das Publikum noch mehrere Male sehr charmant dazu animieren, noch mehr Fackeln zu kaufen, um die Veranstaltung auch für die nächsten Jahre zu sichern. Auch auf weiteren Wegen über Spendenbüchsen und sogar per SMS kann gespendet werden.

Der Erlös der Fackeln ist für die kostenlose Veranstaltung vorgesehen.

Der Erlös der Fackeln ist für die kostenlose Veranstaltung vorgesehen.

Ein bunter Strauß Musik

Das Orchester betritt die Bühne. Ein Jubeln und Klatschen strömt um den See herum. Seit Beginn des Fests wird die Musik vom Jugendsinfonieorchester Bremen-Mitte der Musikschule Bremen gespielt. Am heutigen Abend ist für ein paar Gesangsstücke auch der mehrfach prämierte Bremer Chor „Northern Spirit“ mit auf der Bühne.

Als die ersten Töne erklingen, wird es ruhig um den Hollersee. Eine friedliche Atmosphäre breitet sich aus. Langsam steigt ein sanfter Lagerfeuergeruch der herab brennenden Fackeln auf. Hier und da wird noch ein Rest aus einem Pizzakarton genascht und noch ein kleines Gläschen Wein gefüllt. Mit „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss wird das 30. „Musik und Licht am Hollersee“ eröffnet und das sorgt bei mir sofort für einen ersten Gänsehaut-Moment.

Doppelt hält besser - alles was sich oberhalb der Wasseroberfläche abspielt, spiegelt sich sehr ansehnlich.

Doppelt hält besser – alles was sich oberhalb der Wasseroberfläche abspielt, spiegelt sich sehr ansehnlich.

Während das Konzert langsam Fahrt aufnimmt, spaziere ich weiter durch die Reihen. Nach längerem Suchen finde ich endlich einen geeigneten Ort für meine Fotos. Ich stelle alles bereit und blicke mich um. Mir fällt auf, dass das Publikum sehr gemischt ist. Bei einer solchen Veranstaltung mag man davon ausgehen, dass sich vor allem ältere Generationen blicken lassen. Doch dem ist hier nicht so. Gleichermaßen junge und alte Menschen haben neben einander Platz genommen, sind im Gespräch oder lauschen gemeinsam der Musik.

Tradition und Modernes

Wenn so eine Veranstaltung seit 30 Jahren existiert, gibt es natürlich auch die eine oder andere Tradition. So ist es auch bei „Musik und Licht am Hollersee“. Im festen Repertoire finden sich Stücke wie der Kaiserwalzer von Johann Strauß und Dimitri Schostakowitschs „Walzer Nr. 2“. Auch das Feuerwerk wird immer zur selben Musik abgefeuert, nämlich zu Händels „Feuerwerksmusik“. Wie passend ;-) Besonders gut gefällt mir an diesem Abend die „Romanze für Violine und Orchester“ vom norwegischen Komponist Johan Svendsen.

Im Programm sind aber auch immer moderne Stücke, oft Filmmusik. An diesem Abend spielt das Orchester in Gedenken an alle Menschen, die verfolgt werden, die Titelmelodie aus dem Film „Schindlers Liste“. Das ist mein persönlicher zweiter Gänsehaut-Moment.

Zunächst kündigt der Moderator aber erst einmal das Feuerwerk an. Im Publikum entsteht Bewegung, weil sich nun alle Gesichter in Richtung Wasser wenden. Dort wird auf einer Plattform mitten im See nun ein beeindruckendes Feuerwerk passend zur Musik abgebrannt.

Beeindruckende Kulisse - Das Feuerwerk ist eins der Highlights.

Beeindruckende Kulisse – Das Feuerwerk ist eins der Highlights.

Gemütliche Abschiedsstimmung

Nach dem Feuerwerk schlängel ich mich durch die Menge zurück in Richtung meines Rades. Auf der Ostseite suche ich mir noch einmal ein Plätzchen für Fotos. Der Abend neigt sich dem Ende entgegen. Einige packen bereits zusammen, andere sind noch vollkommen erfüllt bei der Sache.

Zu den Klängen von Schostakowitsch mache ich mich auf die Suche nach meinem Fahrrad, das ich glücklicherweise nach kurzer Zeit finde. Über die gesperrte Hollerallee radel ich nach Hause. Es ist ruhig auf Bremens Straßen. Das Wochenende ist vorbei, der Sonntagabend weicht der Nacht, der Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Aus der Ferne vernehme ich schließlich noch den letzten Höhepunkt dieses besonderen Fests am Hollersee: Leise, kaum wahrnehmbar dringt der Gesang des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“ durch die urbane Landschaft an mein Ohr. Auch das ist Tradition: Seit 1989 wird jedes Jahr der Sommer mit dem gemeinsamen Singen dieses Liedes verabschiedet. Nächstes Mal, nehme ich mir vor, bin ich bis zum Schluss dabei.

Kommentieren

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind markiert *