Bremer Köpfe: Heinrich Wilhelm Matthias Olbers

Bremerinnen und Bremern müsste sein Name zumindest durch das Olbers-Planetarium in der Werderstraße ein Begriff sein. Der Rückschluss, dass der Gute demnach wohl etwas mit Sternen zu tun hatte, liegt auf der Hand. Aber Heinrich Wilhelm Matthias Olbers konnte noch mehr. Ich hab mich auf seine Spuren begeben.

Vor geraumer Zeit begegnete mir in den Wallanlagen ein großer Monolith. Unweigerlich musste ich an Stanley Kubricks Film „2001: A Space Odyssey“ denken – und lag damit gar nicht mal so weit ab vom Thema. Im Monolith nämlich befand sich gewissermaßen ein eigenes Universum, denn der Monolith war eigentlich eine Holzkiste, die eine große Statue schützte. Im Innern stand geduldig wartend Herr Olbers aus Marmor, seines Zeichens Arzt und Astronom.

Ein Monolith mit einem ganzen Universum darin.

Ein Monolith mit einem ganzen Universum darin.

Einige Monate später kehre ich zurück an diesen Ort. Die Bäume zeigen inzwischen ein zartes Grün, die Luft lässt schon wärmere Tage wittern und die Monolith-Holzbox ist verschwunden. Der übergroße Marmor-Olbers ist nun für alle Welt zu sehen. Sein Blick schweift in die Ferne, in der rechten Hand ein Fernrohr, jederzeit bereit, es vors Auge zu heben. So steht er hier, seitdem das Denkmal des Bildhauers Carl Steinhäuser 1850 aufgestellt wurde. Auf dem Sockel zeigen Reliefbilder Olbers Tätigkeit als Astronom und Arzt. Links und rechts sind Reliefs zweier Personen mit den Namen Vesta und Pallas zu erkennen. Später lese ich nach, dass es sich bei den Beiden um Göttinnen handelt. Vesta ist römisch, Hüterin des heiligen Feuers und die Göttin für Heim und Herd, Pallas Athene ist griechischer Herkunft und die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes. Sie ist auch die Namensgeberin der griechischen Hauptstadt.

Das Denkmal steht seit 1850 in den Wallanlagen. Sein Schöpfer Carl Steinhäuser fertigte noch weitere Plastiken, die teils noch im Bremer Raum zu finden sind.

Das Denkmal steht seit 1850 in den Wallanlagen. Sein Schöpfer Carl Steinhäuser fertigte noch weitere Plastiken, die teils noch im Bremer Raum zu finden sind.

Oben links ist Vesta, unten rechts Pallas zu erkennen.

Oben links ist Vesta, unten rechts Pallas zu erkennen.

Den Kopf in den Sternen

Und was haben Vesta und Pallas mit Olbers zu tun? Der 1758 in Arbergen im Bremer Osten geborene Astronom entdeckte Anfang des 19. Jahrhunderts zwei Asteroiden. Den ersten nannte er Pallas, den zweiten ließ er von Carl Friedrich Gauß benennen, der ihn Vesta taufte. Olbers war schon während seiner Lebzeiten weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt. Er mischte mächtig in der Untersuchung des Nachthimmels mit und war unter anderem Gründungsmitglied der Astronomischen Gesellschaft, die 1800 in der Lilienthaler Sternwarte ihren Ursprung hatte.

Weil er schon als Junge einen Kometen sah, interessierte er sich von da an für die Erforschung des Universums.

Weil er schon als Junge einen Kometen sah, interessierte er sich von da an für die Erforschung des Universums.

Vom Arzt zum Astronomen

Nachdem Olbers sein Medizinstudium in Göttingen mit einer Dissertation über das menschliche Auge abgeschlossen hatte, zog er nach Bremen zurück und eröffnete in der Sandstraße eine Arztpraxis. Tagsüber ging er hier seinem Beruf nach, nachts widmete er sich seiner astronomischen Berufung. Seitdem er mit elf Jahren Augenzeuge eines sogenannten Großen Kometen geworden war, faszinierte ihn das Universum. Er besuchte während seines Studiums auch astronomische Vorlesungen und erdachte eine Methode zur Bahnbestimmung von Kometen, die er in seiner „Abhandlung über die leichteste und bequemste Methode, die Bahn eines Cometen zu berechnen“ beschrieb. Die Methode kann noch heute angewendet werden.

Das Fernrohr war wohl sein dauerhafter Begleiter.

Das Fernrohr war wohl sein dauerhafter Begleiter.

Da Olbers angeblich nur mit wenigen Stunden Schlaf pro Nacht auskam, konnte er sich das berufliche Doppelleben leisten. Bei der Leidenschaft, die er für die Astronomie an den Tag legte, gehe ich allerdings davon aus, dass ihn auch mehr Schlafdrang kaum davon hätte abhalten können. Vielleicht diente ihm der Blick in den nächtlichen Himmel auch der Ablenkung, denn Olbers verlor im Laufe seines Lebens erst seine erste Ehefrau, später auch die gemeinsame Tochter sowie schließlich 1820 auch seine zweite Ehefrau. Danach zog er sich endgültig von seiner Arzttätigkeit zurück. Nur sein Sohn aus zweiter Ehe und späterer Bremer Senator Georg Heinrich Olbers blieb ihm.

Sein Blick war Zeit seines Lebens in die Ferne gerichtet.

Sein Blick war Zeit seines Lebens in die Ferne gerichtet.

Ein Komet, auf dem sein Name steht

Der Astronom starb im März 1840 im Alter von 81 Jahren. Nach Olbers sind ein Mondkrater, der Asteroid (1002) Olbersia und der Komet 13P/Olbers benannt. Letztere wurde von Olbers 1815 entdeckt und wird 2024 wieder sichtbar sein. In Bremen gibt es neben dem Olbers-Planetarium noch die Olbersstraße in Arbergen, das Olbers-Schulzentrum in der Nähe seines Geburtsortes und die überlebensgroße Statue in den Wallanlagen. Außerdem findet sich seit 1862 eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus des bekannten Bremers in der Sandstraße, wo er auch seine Arztpraxis hatte. Im Focke-Museum ist darüber hinaus noch das Originalfernrohr und auf dem Riensberger Friedhof die Grabstätte zu sehen.

Hier in der Sandstraße in der Bremer Innenstadt war Olbers Wohnhaus, das auch seine Arztpraxis beherbergte.

Hier in der Sandstraße in der Bremer Innenstadt war Olbers Wohnhaus, das auch seine Arztpraxis beherbergte.

2 Anmerkungen zu “Bremer Köpfe: Heinrich Wilhelm Matthias Olbers

  1. Klaus Bingert says:

    Der Beitrag ist sehr schön und sehr gut geschrieben.Wäre toll wenn Sie im Jahr 2024 von Komet
    Olbers wenn er wieder auftaucht an unserem Nachthimmel berichten.

    Danke

    Mit frdl. Gruß Bingert

  2. Rike Oehlerking says:

    Lieber Klaus Bingert, danke. Wir geben uns Mühe, 2024 den Olbers-Kometen zum Exklusiv-Interview zu bitten und ihn vor unsere Kameras zu bekommen :-) Beste Grüße!

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