Mit allen Sinnen durch den Schnoor

Sobald die ersten Sonnenstrahlen wärmeres Licht senden, erwachen so langsam auch meine Sinne. Ich nehme meine Umgebung in dieser Jahreszeit oft intensiver und umfassender wahr. Die Beste Gelegenheit also, Bremens ältestes Viertel mal mit allen Sinnen zu erfahren. Die BTZ bietet eine Führung dazu an, deren Stationen ich mir angeschaut habe.

Ich treffe mich mit Silke Strenger von der BTZ und wir klingeln beim INS. Das ist das Institut für niederdeutsche Sprache, wo die besagte Führung durchs Schnoor-Viertel unter anderem Halt macht. Der Vereinsvorsitzende Herr Goltz nimmt uns in Empfang. Seit 1973 existiert der Verein, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das plattdeutsche Sprachgut zu archivieren und zu erhalten. Hier wird alles gesammelt, was auf Plattdeutsch erschienen ist und noch erscheint. Von über 150 Jahre alten Büchern über eine beachtliche Sammlung plattdeutscher Theaterstücke bis hin zu gerade erschienenen CDs und Comics. Über 35000 Medien zählt die Bibliothek zu ihrem Bestand. Sie können vor Ort von jeder und jedem genutzt und eingesehen werden.

Von alten Büchern mit original Druckplatten über eine beeindruckende Sammlung plattdeutscher Theaterstücke bis zu neuesten Erscheinungen auf CD - das INS ist die einzige überregional tätige Einrichtung zur Förderung des Niederdeutschen und der am breitesten aufgestellte Dienstleister im Bereich niederdeutscher Sprach- und Kulturarbeit.

Von alten Büchern mit original Druckplatten über eine beeindruckende Sammlung plattdeutscher Theaterstücke bis zu neuesten Erscheinungen auf CD – das INS ist die einzige überregional tätige Einrichtung zur Förderung des Niederdeutschen und der am breitesten aufgestellte Dienstleister im Bereich niederdeutscher Sprach- und Kulturarbeit.

Im Institut für niederdeutsche Sprache den Hörsinn fürs Besondere schulen - und neue Lieblingswörter kennen lernen.

Im Institut für niederdeutsche Sprache den Hörsinn fürs Besondere schulen – und neue Lieblingswörter kennen lernen.

Herr Goltz gibt uns einen lebendigen Einblick in die Arbeit des Instituts. Momentan sei Wahlkampf, da würden viele Übersetzungsanfragen von Parteien kommen, erklärt er uns. Mit Gästen einer Stadtführung würde meist ein Vokabeltest durch geführt. Ich persönlich lerne an diesem Nachmittag mein neues Lieblingswort kennen: Plüschappel. Plattdeutsch für Pfirsich. Ich könnt mich kringeln :)

Den Schnoor erschmecken

Nachdem wir also im INS unseren Hörsinn schon einmal stimuliert haben, geht es weiter mit dem Geschmackssinn. Vor der Tür des Plattdeutsch-Instituts stößt Guido Klostermann zu uns. Er ist Gästeführer und geht regelmäßig mit Gruppen durchs Schnoor, auch immer mit dem Fokus auf die Bedienung aller Sinne. Während wir vom INS zur Bonbonmanufaktur um die Ecke schlendern, erzählt uns Guido Klostermann etwas über das Ausspann, das gegenüber vom INS ansässig ist. Auch hier machen Gästeführer mit ihren Gruppen Halt, denn in dem Künstlerhaus lässt sich so ein typisches Schnoor-Häuschen gut von innen erleben. Außerdem werden hier mit der Gastronomie und dem tollen Zwischenboden zum Entspannen auch alle anderen Sinne bestens angesprochen.

Inzwischen stehen wir vor der Bremer Bonbonmanufaktur. Ein riesiger Lolli über der Tür heißt uns willkommen. Auch im Innern strahlen uns jede Menge bunte Süßigkeiten entgegen. Wie sich das eben gehört für einen Bonbonladen, in dem live die leckeren Lutschpastillen produziert und sogar Kurse zum Selbermachen angeboten werden.

Von Fudge über Bonbons bis Französisches Nougat: In der Bremer Bonbonmanufaktur weiß man gar nicht, wo man als erstes probieren soll. So viele Leckereien!

Von Fudge über Bonbons bis Französisches Nougat: In der Bremer Bonbonmanufaktur weiß man gar nicht, wo man als erstes probieren soll. So viele Leckereien!

Die beiden Bonbon-Bäcker, die gerade rot-weiß-gestreifte Bonbons produzieren, drücken uns sofort ihre frische Ware in die Hand zum Probieren. Die hübschen Lutschkuller sind anfangs noch warm und weich, bis sich ihre Temperatur soweit abgekühlt hat, dass sie schließlich wie echte Bonbons an die Zähne klappern. Mmmmhh, lecker. Süß, fruchtig, frisch!

Vom Tasten und Schmecken – von früher bis heute

Wir laufen zurück durch die Schnoor-Gasse in Richtung Innenstadt. Vor allem hier kommt der sechste Sinn, das Fühlen, auf seine Kosten. Die alten Häuschen, die hier aufgereiht wie an einer Schnur (Niederdeutsch: Schnoor) aneinander stehen, lassen mich ihr Alter förmlich spüren. Mit meiner Hand fahre ich über die alten Außenmauern. Wie alt mögen wohl die Pflastersteine unter meinen Füßen sein? Wie klang es früher, wenn hier Pferdegespanne durchfuhren? Bilder alter Zeiten kommen in mir hoch.

Ice, Ice, Baby! Nicht nur für wärmere Tage. Das Eis am Stiel bei "Fiev Sinn" - die Geschmacksrichtungen variieren je nach Jahreszeit. (Fotos oben rechts und unten links: Fiev Sinn)

Ice, Ice, Baby! Nicht nur für wärmere Tage. Das Eis am Stiel bei „Fiev Sinn“ – die Geschmacksrichtungen variieren je nach Jahreszeit. (Fotos oben rechts und unten links: Fiev Sinn)

Kurz hinter dem ältesten Gebäude von 1402 bleiben wir vor dem Laden mit dem passenden Namen Fiev Sinn (der fünfte Sinn = Geschmacksinn) stehen. Auch hier bekommen Gäste einer Führung der BTZ ein Stück Schnoor zum Probieren: und zwar Eis am Stiel. Die Frau im Laden stellt uns die verschiedenen Sorten vor. Es gibt reine Sorbettos, also Eis auf Fruchtbasis, das auch veganlebende Menschen genießen können. Dann kommen verschiedene Milcheis-Sorten dazu, die sogenannten Cremas. Außerdem gibt es das auch zusammen als Duo. Und für den kleinen unauffälligen Schwips gibt es sogar eingefrorene Cocktails, heute sind hier Erdbeer Daiquiri und Gin Tonic im Angebot. Auch ansonsten regt der Laden die Sinne an. Es gibt jede Menge Leckerein und viel zum Gucken und Stöbern.

Mit den Schnoorkullern durch den Schnoor kullern :)

Durch die Schnoor-Gasse gelangen wir schließlich in die Straße „Am Landherrnamt“, wo wir endlich in den Genuss der berühmten Schnoor-Kuller kommen. Die bekommen wir in der Bäckerei im Schnoor, wo auch die Gästeführer für ihre Gruppen Probierportionen abholen.

In der Bäckerei im Schnoor gibt's die leckeren Schnoorkuller, auf die sich Silke (unten links) schon gefreut hat. Gästeführer Guido Klostermann findet sie auch ziemlich lecker.

In der Bäckerei im Schnoor gibt’s die leckeren Schnoorkuller, auf die sich Silke (unten links) schon gefreut hat. Gästeführer Guido Klostermann findet sie auch ziemlich lecker.

Auch Silke Strenger hat sich schon den ganzen Tag darauf gefreut. Und ich muss sagen: Die zarte Mischung aus Baiser, Nougat, Nüssen und Milchschokolade zergeht schon ziemlich geschmackvoll auf der Zunge. Mjamm!

Genug geschmeckt! Jetzt nochmal mit allen Sinnen

Ein ganz besonderes Highlight erwartet uns zum Schluss unseres Sinnesrundgangs durchs Schnoor-Viertel. Wir klingeln in der Kolpingstraße beim Birgittenkloster und tatsächlich haben wir Glück und dürfen eintreten. Im Innenhof befindet sich ein wundervoller kleiner Garten, der durch seine geschützte Lage alle Sinne zum Entspannend bringt. Hier kann man noch einmal ganz Ruhe hinhören, -sehen und -fühlen, was die Atmosphäre im Schnoor ausmacht. Und wem das noch nicht reicht, der kann sich auf der Dachterrasse des Klosters einen Überblick über das Viertel mit seinen kleinen schmalen Häuschen mit spitzen Dächern machen. Genau das mache ich mit meinen beiden Begleitern zum Abschluss auch noch. Und ich muss sagen, ich bin sehr angetan von dieser ungewöhnlichen Perspektive über den Dächern des Schnoors.

Ungewöhnliche Perspektive: In den Genuss des Blicks von der Dachterrasse vom Birgittenkloster kommen selbst Einheimische nicht unbedingt.

Ungewöhnliche Perspektive: In den Genuss des Blicks von der Dachterrasse vom Birgittenkloster kommen selbst Einheimische nicht unbedingt.

Nachdem wir unseren Rundgang beendet haben, schlendere ich zurück durch die engen Gassen. Geschirrgeklapper schallt aus einer Tür, Musik aus einer anderen. Ein Duft von Süße und Parfüm zieht an mir vorbei. Ich lasse meinen Blick an den Fassaden empor zu den spitzen Giebeln der uralten Häuschen gleiten. Ich kann nur empfehlen, das Schnoor-Viertel wirklich mit allen Sinnen wahrzunehmen. So kommt man mit Sicherheit auf den Geschmack.

Nachtrag aus der Redaktion:
Maike war auch schon mit allen Sinnen im Schnoor, und hat den diesen schönen Film gedreht:

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