Auf Sendung! – Beste Töne im Sendesaal

Seit Jahren lese und höre ich immer mal wieder nur Bestes vom Sendesaal Bremen. Bisher war ich aber noch nicht dort. Anfang Dezember habe ich es endlich geschafft und kam mit bleibendem Eindruck und dem festen Vorhaben der Wiederkehr zurück.

Ich treffe mich mit Peter Schulze, künstlerischer Leiter des Sendesaals, an einem Dienstagnachmittag. Am diesem Abend findet noch ein Konzert der Bulgarian Voices Angelite statt und Peter Schulze zeigt mir erst einmal ein Video des Chors auf seinem Handy. Momentan herrscht aber noch Ruhe in den Künstlergarderoben und Gängen des Backstage-Bereichs.

Einladend: Der Eingang zum Sendesaal lässt Musikfreunde zu rund 100 Konzerten im Jahr ein.

Einladend: Der Eingang zum Sendesaal lässt Musikfreunde zu rund 100 Konzerten im Jahr ein.

Satte Akustik ohne Nebengeräusche

Herr Schulze führt mich vom Büro in den Sendesaal. Kaum haben wir den alten Konzertraum von 1952 betreten, wird mir klar, warum so oft von seiner besonderen Akustik gesprochen wird. Der Klang unserer Stimmen wird beim Eintreten satter, kein Geräusch von außen dringt in den Raum. Dazu noch das Ambiente der 50er Jahre. Edler Holzfußboden, hübsche Wandlampen und ein Holzdrahtgeflecht an den Wänden, das hervorragende Schalleigenschaften besitzt. Ich bin schlagartig beeindruckt.

Zweckentfremdet: Auf dem Holzdrahtgeflecht wird eigentlich Käse gelagert. Das Ambiente des Sendesaals mit seinen warmen Farben trägt zu einem runden Konzertabend sicherlich bei.

Zweckentfremdet: Auf dem Holzdrahtgeflecht wird eigentlich Käse gelagert. Das Ambiente des Sendesaals mit seinen warmen Farben trägt zu einem runden Konzertabend sicherlich bei.

Einfallsreiche Konstruktion

Die besondere Akustik verdanke der Saal der sogenannten „Raum in Raum“-Bauweise, erklärt mir Herr Schulze. „Wir haben gewissermaßen zwei Gebäude – eines außen und ein etwas kleineres innen. Ihre Wände berühren sich nicht. Die Decke hängt an 655 Federn und der Boden ist ebenfalls auf einem besonderen Fundament gelagert.“ Man habe sich in den 50er Jahren neue Konstruktionen für Konzertsäle ausdenken müssen, als mit der Ultrakurzwelle eine vollkommen neue und vor allem rauschärmere Art des Radios entstand. Die Aufhängung erkunden wir über eine schmale Wendeltreppe hinter einer Tür an der Bühnenflanke. Oben eröffnet sich der Blick zwischen die beiden Räume. Unzählige Drahtseile sind hier verankert und halten die Saaldecke. Alles ist mit Steinwolle gedämmt. Herr Schulze weist auch noch auf die Besonderheit der Klimaanlage hin: „Anders als bei herkömmlichen Konstruktionen wird die Luft hier nicht durchgesogen“, erzählt er. „Es wurden sehr viel breitere Kanäle geschaffen, durch die die Luft geräuschlos fallen kann.“ Leuchtet mir ein und tatsächlich nehme ich weder hier oben im Zwischenraum der Gebäude noch unten im Saal irgendein Rauschen wahr.

Zwischen Außen- und Innengebäude ist es zwar nicht so ansehnlich, aber spannend allemal.

Zwischen Außen- und Innengebäude ist es zwar nicht so ansehnlich, aber spannend allemal.

Rettung kurz vorm Abriss

Der Sendesaal wie auch die angrenzenden Gebäude gehörten einst zu Radio Bremen, das hier bis 2007 noch mit Hörfunk und Verwaltung ansässig war. Anschließend sollte der Sendesaal abgerissen werden. Es gab sogar schon einen Käufer des Grundstücks, doch der eigens gegründete Verein „Freunde des Sendesaales“ rettete das historische Gebäude. Die Denkmalswürdigkeit wurde dem Sendesaal bescheinigt und er wurde unter Denkmalschutz gestellt, ein Investor wurde gefunden und zahlreiche Mitglieder für den Verein akquiriert.

Heute finden im Sendesaal jährlich um die 100 Konzerte statt. Hinzu kommen außerdem noch 100 Produktionstage, denn an den Saal ist nach wie vor eine gut ausgestattete Aufnahmeregie angeschlossen. Dorthin nimmt mich jetzt Herr Schulze mit, zeigt mir das riesige Mischpult aus den 1990er Jahren, das immer noch einwandfrei seine Arbeit leistet, und erklärt die verschiedenen Arbeitsplätze in den beiden mit Technik eingerichteten Räumen.

Aufnahmeregie - technisch gut ausgestattet. Hier kommen sogar wahre Größen der Szene zum Aufnehmen her.

Aufnahmeregie – technisch gut ausgestattet. Hier kommen sogar wahre Größen der Szene zum Aufnehmen her.

Gesundheit, wo einst Studios waren

Wir werfen noch einen kurzen Blick in das Nachbargebäude, das einst als Lazarett gebaut, dann aber jahrelang von Radio Bremen betrieben wurde. Heute ist hier eine Reha-Klinik entstanden. Peter Schulze, der 30 Jahre lang bei Radio Bremen erst in der Jazz-Redaktion und später als Musikchef gearbeitet hat, kann sich noch gut erinnern, wie hier einst Radio gemacht wurde.

Ehrenamtlich: Peter Schulze ist in seiner Funktion als künstlerischer Leiter ehrenamtlich unterwegs.

Ehrenamtlich: Peter Schulze ist in seiner Funktion als künstlerischer Leiter ehrenamtlich unterwegs.

Neugierig auf Akustik

Als wir zurück im Sendesaal-Gebäude sind, ist auf dem Gang und in der Künstlergarderobe emsiges Wuseln ausgebrochen. Die Chorsängerinnen sind eingetroffen und stellen sich im Saal zur Lichtprobe auf. Es sind noch zwei Stunden bis zum Konzert und eine gewisse vorfreudige Aufregung liegt in der Luft. Ich verabschiede mich von Herrn Schulze und den Mitarbeitern. Nach diesem Blick hinter die Kulissen komme ich gerne noch einmal wieder, um die Akustik des Sendesaals zu genießen. Zum Beispiel bei einem „Konzert im Dunkeln“, einer regelmäßigen Konzertreihe. So ganz ohne visuelle Ablenkung kommt die Akustik sicherlich besonders gut zur Geltung. Ich bin gespannt.

Die Akustik soll phänomenal sein - ich hatte schon beim Sprechen das Gefühl, das da etwas dran ist :)

Die Akustik soll phänomenal sein – ich hatte schon beim Sprechen das Gefühl, das da etwas dran ist :)

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