Traditionelle Handwerkskunst trifft Moderne

Mitten in der Überseestadt findet man sie: eine der ältesten noch aktiven Silbermanufaktur Deutschlands „Koch & Bergfeld Corpus“. Kommt mit auf meine Tour durch die Werkstatt der Traditionsmanufaktur.

Im Eingangsbereich der Manufaktur blitzt und blinkt es

Im Eingangsbereich der Manufaktur blitzt und blinkt es

Die gläserne Manufaktur

Der meterhohe, lichtdurchflutete Raum, in dem ich dort mitten in der modernen Überseestadt stehe, ist schon beeindruckend. Im Eingang bekomme ich in den Vitrinen einen Eindruck von der Vielfalt der Arbeiten der Manufaktur: von Schmuck über Becher, Kerzenständer, Silberteller, Kännchen, Accessoires und Gürtelschnallen, bis hin zu dem wohl begehrtesten Pokal des Fußballsports, dem Champions League-Pokal. Wie bitte, der Champions League-Pokal ist ein Bremer? Ja, genau richtig. Aber der Reihe nach: Ich beginne meinen Rundgang durch die Werkstatt beim Schmuck

Collage-Ring

Die alte Waage hilft beim Abwiegen des Materials des Rings, der Schritt für Schritt im Anschluss entsteht

Ich erfahre, dass man sich bei Koch & Bergfeld Corpus individuellen Schmuck anfertigen lassen. Ob Ketten, Ohrenschmuck, Ringe – die Gold- und Silberschmiedinnen sind teilweise auch als Designerinnen tätig und entwerfen die Schmuckstücke. Die Ringe bestehen aus Silber und Kupfer, wozu noch Feingold gegeben wird. Etwa 15mg Feingold enthält so ein Ring in der Regel. Zunächst wird das Material eingeschmolzen, dann gegossen und dann so lange bearbeitet und geformt, bis ein fertig gefeilter und polierter Ring entsteht.

Bremen spielt in der Champions League – zumindest in Sachen Pokalschmiede

Als ich vor einiger Zeit erfuhr, dass die wichtigsten Trophäen im Fußball aus Bremen kommen, war ich überrascht und wollte mehr erfahren. Bei Koch & Bergfeld Corpus viele Trophäen erstellt: Champions League-Pokal, DFB-Pokal, Weltpokal, UEFA-Pokal, Meisterschale von der DFL und auch für die Deutsche Handball Bundesliga. Aber auch so bekannte Preise wie die Goldene Kamera werden in Bremen gefertigt – mittlerweile seit über 40 Jahren. Um diese Bestellung zu erledigen, kümmern sich die 12 Silberschmiede der Manufaktur Wochen vor der Verleihung um kaum andere Aufträge. Insgesamt 30 Goldene Kameras werden für die Gala benötigt.

Auf dem Weg zum fertigen DFB-Pokal

Auf dem Weg zum fertigen DFB-Pokal

Als Werder-Fan träumt man momentan eher von den großen, blitzenden Trophäen – nichtsdestotrotz war ich neugierig, wie die Pokale hergestellt werden. Zunächst wird der 48 cm große Körper mit altem Handwerkszeug aus Messing geformt. Anschließend werden millimetergenau die Fußballer und Buchstaben auf den Korpus gelötet. Insgesamt werden rundum 11 Fußballer-Silhouetten und 32 große Letter zu „Deutscher Fußball-Bund Vereinspokal“. Anschließend wird der Pokal versilbert und poliert, im nächsten Arbeitsschritt dann vergoldet und ebenfalls poliert. Mehrere Wochen dauert es, bis dieser Pokal fertig ist.

1967 bekam das Unternehmen den Auftrag, den Champions League Pokal zu erstellen. Wenn eine Mannschaft den Pokal zum fünften Mal oder zum dritten Mal in Folge gewonnen hat, kann sie den Original-Pokal behalten und die Manufaktur erstellt einen neuen. Auch ist es nicht unüblich, dass Fußballer, die die Trophäen gewonnen haben, sich in Bremen Replika erstellen lassen. So findet sich beispielsweise in den Wohnzimmern der Madrilenischen Fußballspieler ein kleines Stück Bremer Handwerkskultur. Ein Großauftrag war vor einiger Zeit der vom Museum des FC Bayern München: Die Münchener haben sich alle Pokale ihrer Vereinsgeschichte aus dem jeweiligen Jahr nachbilden lassen. Mit diesem Auftrag war die komplette Belegschaft viele Wochen beschäftig. Zum Ende der Arbeiten haben sie alle Trophäen auf einem Bild versammelt. Ich finde, so ist der Erfolg des FC Bayern noch beeindruckender.

Einmal alles bitte: Diese Bestellung war für den FC Bayern München bestimmt

Einmal alles bitte: Diese Bestellung war für den FC Bayern München bestimmt

Bremer Handwerkstradition erleben
Ein Schatz des Traditionsunternehmens: eine ganze Wand voller teils Jahrhunderte alter Formen für die Herstellung von Silberkörpern

Ein Schatz des Traditionsunternehmens: eine ganze Wand voller teils Jahrhunderte alter Formen für die Herstellung von Silberkörpern

Die Geschichte der Manufaktur reicht bis in das Jahr 1829 zurück – damals begannen Gottfried Koch und Ludwig Bergfeld ihre Zusammenarbeit in der Bremer Innenstadt. Das Unternehmen stellte Silberbesteck und Silberkorpi her. Es wuchs immer mehr und hatte zwischenzeitlich zwischen 1900 und 1914 sogar 800 Mitarbeiter. Ein interessantes Detail der Geschichte ist, dass Wilhelm Wagenfeld ebenfalls eine Verbindung zu der Manufaktur hat: Von 1914-18 hat er bei Koch und Bergfeld in der Zeichenabteilung gelernt. 1989 wurde das Unternehmen an Villeroy & Boch verkauft, dies scheiterte jedoch. 1994 verkaufte Villeroy & Boch die Korpuswerkstatt – somit alles außer Besteck – an den größten Kunden des Unternehmens, einen Kieler Juwelier Klaus Hansen. Im Jahr 2004 übernahm der damalige Werkstattleiter Florian Blume die Manufaktur und zog 2007 mit dem Betrieb in die Überseestadt. In der langen Geschichte der Manufaktur haben sich Entwürfe für mehr als 300.000 Korpuswaren angesammelt, nach denen es den Silberschmieden möglich ist, die alten Stücke nachzuproduzieren. Auch können die Mitarbeiter auf einen großen Schatz alter Modelle zurückgreifen, mit denen neue Schmuckstücke erstellt werden können. Neben Neuanfertigungen gehören auch Reparaturen zu den Aufgaben der Silberschmiede. Übrigens: Auch das „Dresdener Stollenmesser“ kommt aus Bremen.

Die Mitarbeiter von Koch & Bergfeld Corpus benutzen heute noch die alten Maschinen, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Heute existieren von der ursprünglichen Firma Koch & Bergfeld drei eigenständige Unternehmen: Corpus, Besteck und die historische Gesellschaft.

Die alten Werkzeuge und Skizzen helfen den Mitarbeitern dabei, solch ein Maleur wie eine abgebrochene Klinge problemlos wieder zu reparieren.

Die alten Werkzeuge und Skizzen helfen den Mitarbeitern dabei, solch ein Maleur wie eine abgebrochene Klinge problemlos wieder zu reparieren.

Am Ende meines Rundgangs stehe ich wieder im Schauraum im Eingangsbereich der Manufaktur. Neben Bechern und Teeservicen ist eine Spezialität von Koch & Bergfeld Corpus die maßstabsgetreue Nachbildung von Schiffen, Fahr- und Flugzeugen. Dort treffe ich auch alte Bekannte: die Bremer Stadtmusikaten als Silberfigur und den Bremer Schlüssel.

Im Sortiment der Manufaktur sind neben Bechern auch die Bremer Stadtmusikanten oder Sonderanfertigungen wie die von Yachten für Reedereien

Im Sortiment der Manufaktur sind neben Bechern auch die Bremer Stadtmusikanten oder Sonderanfertigungen wie die von Yachten für Reedereien

Wer nun Lust bekommen hat, sich die Manufaktur und die ausgestellten Stücke einmal anzusehen, der hat zu folgenden Öffnungszeiten die Möglichkeit dazu: Öffnungszeiten sind Montag – Freitag 10 – 16 Uhr und Sonnabend 11 – 14 Uhr.

 

4 Anmerkungen zu “Traditionelle Handwerkskunst trifft Moderne

  1. RAFAEL says:

    Hallo
    Kann ich bei ihnen Auch ein Pokal KAUFEN???

  2. Bei Koch & Bergfeld Corpus geht das ganz bestimmt, mit dem nötigen Kleingeld. :-)

  3. Mike Welsch says:

    Hallo,
    ich wollte nachfragen ob ich eine 1:1 Nachbildung des DFB Pokals resp. UEFA Super Cup & Fifa Klub WM Pokal bei Ihnen kaufen könnte?
    Danke
    mfg

  4. Hallo Mike,

    wie Ingrid oben auch schon einmal antwortete: Einfach mal bei Koch&Bergfeld Corpus nachfragen – aber nicht über den Preis wundern. :-)

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