St. Pauli in Bremen

Dass sich der Heilige Paulus auch in Bremen mit seinem Namen verewigt hat ist nicht überraschend. Eine St. Pauli-Gemeinde wird es in fast jeder Stadt geben. Ich widme mich daher einmal mehr zwei meiner Lieblingsthemen: Fußball und Bier.

St. Pauli Girl – Bremer Bier für den Export

Bei einer Brauereiführung habe ich es im Sudhaus gesehen: Das Logo vom „St. Pauli Girl“ in den Fensterscheiben. Ich kenne das Bier schon länger, aber habe lange nicht mehr daran gedacht, weil es diese Marke auf dem deutschen Markt halt nicht gibt. Schade eigentlich, denn ich würde es gerne einmal probieren.  Mangels eigener Erfahrungen habe ich die Brauerei Beck & Co um Infos zu diesem Exportschlager gebeten, und diese lesen sich nicht schlecht.

Sudhaus der Brauerei Beck & Co, Foto: Michael Ihle / Anheuser-Busch InBev

Sudhaus der Brauerei Beck & Co, Foto: Michael Ihle / Anheuser-Busch InBev

Das Bier
„St. Pauli Girl“ wird bis heute in Bremen hergestellt und abgefüllt. Die Marke wird ausschließlich in den USA vertrieben und zählt dort zu den beliebtesten Importbieren. Sie umfasst drei Sorten, alle werden streng nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, das heißt ausschließlich aus Malz, Hopfen, Wasser und Hefe:

  • St. Pauli Girl Lager“ ist ein helles untergäriges Bier mit vollem Geschmack und hopfigem Aroma. Es gewann 1998 die Silber-Medaille bei den Beer World Championships (Pilsener-Kategorie) und wurde von dem in den USA bekannten Bier-Kenner Michael Jackson als „Four Star, World Class Status“ eingestuft.
  • St. Pauli Girl Dark“ ist ein dunkles, untergäriges Bier mit malzaromatischer Note. St. Pauli Girl Dark gewann 1994 die Bronze-Medaille bei den World Beer Championships (Kategorie dunkle Lager-Biere).
  • St. Pauli Girl Non Alcoholic“ zeichnet sich durch frischen Hopfen-Geschmack und ein ausgeglichenes Malzaroma aus. Das US-Magazin „Men’s Health“ sowie die Washington Post und die Chicago Tribune wählten bei Tests alkoholfreier Biere „St. Pauli Girl Non Alcoholic“ auf Platz eins.

Alle drei Versionen basieren natürlich auf eigenen Rezepturen. Auch Beck’s ist in den USA sehr erfolgreich, schmeckt aber deutlich anders.

Historische Flasche des St. Pauli Girl, Foto: Anheuser-Busch InBev

Historische Flasche des St. Pauli Girl, Foto: Anheuser-Busch InBev

Die Geschichte
Der Ursprung des St. Pauli Bieres geht auf ein gleichnamiges Kloster in Bremen zurück, in dem schon im Mittelalter Bier hergestellt wurde. Die „St. Pauli Brauerei“ wurde im 17. Jahrhundert auf den Ruinen des alten Klosters gegründet. 1918 übernahm die Kaiserbrauerei Beck & Co die Aktienmehrheit der St. Pauli-Brauerei, dem damals stärksten Konkurrenten auf internationalen Märkten. Das Etikett mit der Abbildung der norddeutschen Serviererin entstand um 1878. Dem mit der Etikettengestaltung für das „St. Pauli Bier“ beauftragten Graphiker kam die Idee im Wirtshaus, wo ihn die junge Kellnerin inspirierte. Er fertigte eine detailgetreue Skizze der jungen Frau mit den Bierhumpen und der wehenden Schürze an. Das „St. Pauli Girl“ war geboren. In Erinnerung an die Markenhistorie wird in den USA jedes Jahr ein „St. Pauli Girl“ gewählt, das als Repräsentantin der Marke auf einem offiziellen Poster auftritt.

 

Die Marktforschung
Glaubt man der Marktforschung, so wäre die Marke auf dem deutschen Biermarkt vermutlich nur eine Spezialität. Dementsprechend wird das Bier ausschließlich exportiert. In den USA verkörpert die Marke vermutlich eine Reihe von Dingen aus der Kategorie „typisch Deutsch“, deshalb ist es dort so erfolgreich. Das wären Themen, die in Deutschland in der Regel keine Rolle spielen.

FC St. Pauli – Für viele Bremer die Lieblingsmannschaft Nr. 2

Lebenslang grün-weiß sollte für jeden Bremer der Wahlspruch sein, wenn es um Fußball geht. Ich beobachte aber häufig (auch an mir) dass die Bremer nicht nur Werder-, sondern auch Pauli-Fans sind. Die Flaggen zeugen davon. Ist diese Sympathie für den FC St. Pauli aus Hamburg bei uns in Bremen besonders ausgeprägt, und wenn ja: Woran mag das liegen?

Flaggen von St. Pauli - schicke Überseestadt und alternatives Ostertor

Flaggen von St. Pauli – schicke Überseestadt und alternatives Ostertor

Meine ganz persönliche Theorie:

  • Der HSV als gemeinsamer Rivale
    Die Rivalität zwischen den Hansestädten Bremen und Hamburg gipfelt in der Rivalität zwischen Werder- und HSV-Fans, die mir allerdings deutlich zu weit geht. Die Spannung dieser Derbys ist zwar toll, die wohl nötige Polizeipräsenz, aber vor allem die große Aggressivität einiger Fans nicht. Als Rivalen des HSV sind sich Werder Bremen und der FC St. Pauli daher besonders sympathisch, sehen sich vielleicht sogar als Verbündete.
  • Totenkopf als Sinnbild für Freiheit und Meer
    Die Bremer haben seit jeher einen Sinn für Freiheit. Sie wollen sich von niemandem etwas sagen lassen, der Roland auf dem Marktplatz erinnert stets daran. Unsere kleine Freiheitsstatue eben.
    Zudem ist St. Pauli ein Stadtteil am Hamburger Hafen. Auch Bremen ist Hafenstadt, wobei sich das große Hafengeschehen nach Bremerhaven verlagert hat. Dennoch ist die Sehnsucht nach altem Hafenleben mit Matrosen, Bordsteinschwalben und mehr noch da. Was in Hamburg die Reeperbahn war, das war bei uns das Gebiet in Walle rund um die Golden City.
    Die Assoziation mit Freiheit und Revolte, mit Hafen und Piraten ist aber meine ganz eigene. Wikipedia differenziert stärker.
  • Tolles Merchandise
    Der Totenkopf ziert unzählige Merchandise-Artikel. Die sehen nun einmal viel geiler aus als die Artikel fast aller anderen Vereine, Werder inbegriffen. Und sie finden Geschmack bei vielen, die vielleicht gar keine Fußball-Fans sind, wie zum Beispiel Heavy Metal- oder Punk-Fans.

Einige Kneipen übertragen neben Werder- auch St. Pauli-Spiele. Zum Beispiel das Mono und das Eisen – beide findet ihr auch in der Liste der 13 Bars in Bremen.

Der Name: Straßen, Deiche, Kneipen

Aber klar, es gibt in Bremen auch eine Sankt-Pauli-Straße, und zwar im Ostertor-Viertel. Hier, Ecke Alexanderstraße, findet ihr das St. Pauli Eck, eine Kultkneipe in der unter anderem Künstler des Theater Bremen einkehren. Was wieder passt, weil ja die alte St. Pauli Brauerei dort lag, wo jetzt der Brauhauskeller des Theaters ist.

Und in der Neustadt gibt es den St. Pauli Deich an der Kleinen Weser. Der geht über in die Straße „Am Deich“, an der sich auch die Brauerei Beck & Co angesiedelt hat. Ganz in der Nähe ist dann auch die St. Pauli Kirche zu finden, und der St. Pauli Stift. Toll, nicht?

Theater Bremen (Gebäude der ehem. St. Pauli Brauerei) und St. Pauli Deich

Theater Bremen (Gebäude der ehem. St. Pauli Brauerei) und St. Pauli Deich

Die Lage der Brauerei Beck & Co mitten in der City – hier erfahrt ihr mehr über das St. Pauli Girl:

 

Ihr habt das St. Pauli Girl schon einmal probiert und könnt darüber berichten? Oder habt eigene Theorien dazu, warum der FC St. Pauli in Bremen so beliebt ist? Dies und mehr könnt ihr uns gerne schreiben – ganz einfach unten über das Kommentarfeld.

Kommentieren

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind markiert *