#sternstunden2018 – Eine Reise zu Bremens Raumfahrtstandorten

Das Wissen, dass die historische Hansestadt Bremen tatsächlich zu den europaweit wichtigsten Raumfahrtstandorten gehört, setzt sich zwar immer mehr durch, ist aber noch lange nicht bei jedem angekommen. Deshalb – und weil hier im Oktober der weltweit wichtigste Raumfahrtkongress IAC stattfindet – wird 2018 das Raumfahrtjahr #sternstunden2018 zelebriert. Grund genug für uns, eine Auswahl von Bloggern und Journalisten aus ganz Deutschland einzuladen, um ihnen vor Ort zu zeigen, warum sich die Stadt zu Recht Raumfahrtmetropole nennen kann.

Mit dabei waren die Reiseblogger Nicolo (www.nicolos-reiseblog.de), Martina (www.places-and-pleasure.de), Sandra (www.tracksandthecity.de), Marcus (www.burgturm.de), Lara (www.trytotravelbylara.jimdo.com), Katharina (www.niederlandeblog.info), Susanne (www.schafpaul.reise) und Helga (www.trolley-tourist.de) sowie die Journalisten Jakob (Augsburger Allgemeine) und Janina (NOW-Medienagentur / Neue Westfälische).

Drei Tage volles Programm rund um Schwerelosigkeit, Mars-Missionen, Asteroidenerkundung und Weltraumforschung lag vor uns – und natürlich sollten die Höhepunkte des touristischen Bremens nicht zu kurz kommen.

Stilecht durften die Teilnehmer in einem der beiden Hotels übernachten, die sich das Thema Raumfahrt auf die Fahne geschrieben haben. Das ibis Styles Hotel in der Innenstadt lebt sein Motto durch und durch. Spacig dekorierte und futuristisch beleuchtete Zimmer, Aufzüge, die wirken, als kämen sie aus einem Star Trek Film und ein grüner Cocktail namens „Marvin, the Marsian“ erwartete die zehn neugierigen Besucher an ihrem ersten Abend.

Das Maskottchen der Reise, Bob, er Papponaut, begrüßt die Teilnehmer mit kleinen Snacks. Vom Hotel gibt es dazu den passenden grünen Marsmännchen-Cocktail und Sekt mit gefriergetrockneten Weltraum-Erdbeeren.

Von der Seefahrt zur Raumfahrt …

Nach dem Willkommensschluck und einem ersten Kennenlernen ging es über die Uferpromenade Schlachte, durch die Böttcherstraße und den Marktplatz – natürlich mit obligatorischem Besuch des Rathauses (UNESCO Welterbe) und der Bremer Stadtmusikanten – zum Schiff mit den grünen Segeln. Auf der auf der internationalen Bierwerbung bekannten Alexander von Humboldt wurde das Abendessen serviert. Und hier erfuhren die Teilnehmer, wie es begann mit dem Bremer Forscherdrang, mit dem Wunsch, die Weltmeere zu bereisen und neue Zivilisationen zu entdecken, der schließlich vom Flusshafen zum Raumhafen führte.

Auf den historischen Wurzeln unterwegs: Bloggerschaf Paul testet Sitzgelegenheiten auf dem Loriot-Sofa und der Stadtmusikantenstatue. Abends genießen die Teilnehmer maritime Gemütlichkeit auf der „Alex“

Die Stärkung mit deftigen Speisen, frischem Bier, süßem Nachtisch und Kaffee war wichtig, denn der kommende Tag würde voll sein mit Besuchen, die die Teilnehmer ganz hoch hinaus ins Weltall führen würde.

Schwerelos auf dem Erdboden

Los ging’s mit der ungewöhnlichen Welt der Schwerelosigkeit, einem Phänomen, das wohl eines der faszinierendsten für Raumfahrtbegeisterte ist. Wir besuchten den Fallturm des ZARM-Institutes an der Bremer Universität. Das „Zentrum für angewandte Raumfahrt­technologie und Mikro­gravitation“ (ZARM) ist ein wissenschaftliches Institut im Fachbereich Produktionstechnik – Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Mit einer Höhe von 146 Metern ist der Fallturm Bremen das größte Labor am ZARM und das einzige dieser Art in Europa. Hier können Wissenschaftsteams aus aller Welt täglich Experimente im freien Fall in einer ungewöhnlichen Qualität der Schwerelosigkeit durchführen –einem Millionstel der Erdanziehungkraft. Mit dem Katapultsystem, das von ZARM-Ingenieuren entwickelt wurde, ist im Fallturm Bremen eine verlängerte Experimentdauer von mehr als neun Sekunden möglich –  ein Vorteil, den weltweit kein anderes Fallsystem bieten kann.

Das Maskottchen der Reise, Bob, der Papponaut, vor der fast 140 hohen Röhre des Fallturms.

 

Die ZARM-Pressereferentin Annika Teubner zeigt begeisterten Bloggern und Journalisten die Anlage des Fallturms – die Aufnahmen der faszinierten Teilnehmer landen fast in Echtzeit auf Instagram und Twitter.

Ein spannender Rundgang führte die Teilnehmer vom Keller bis hinauf zur Spitze des Fallturmes. Sie erfuhren, wie Schwerelosigkeit entsteht und wie vielfältig ihr Nutzen in der Wissenschaft eingesetzt wird.

Aufgrund seiner hervorragenden Forschungsbedingungen findet der Fallturm Bremen international große Beachtung und wird intensiv genutzt. Die im Fallturm durchgeführten Experimente reichen von Astrophysik, Biologie, Chemie, Verbrennungsforschung, Strömungsmechanik, Fundamentalphysik und Materialwissenschaften, bis hin zu Technologietests zur Vorbereitung und Qualifizierung von Komponenten und Experimenten für ihren Einsatz im Weltraum.

Hoch oben in der Spitze des Turmes wurde dem ein oder anderen der Besucher dann doch etwas mulmig zumute, denn es kann schon vorkommen, dass sich der obere Teil des Fallturm bei starken Winden deutlich bewegt. Das hindert übrigens mutige Brautpaare nicht, hier oben ihre standesamtliche Trauung zu vollziehen.  Mehrmals im Jahr gibt es dafür Termine zur Auswahl.

Leider ein bisschen wolkig, aber der Ausblick aus der Spitze des Fallturms in fast 146 Metern Höhe bleibt ein Erlebnis, an das die Teilnehmer noch lange denken werden.

Ab auf die Internationale Raumstation

Schon nach zwei Stunden im Fallturm ging es weiter im Programm – mit dem Bus quer durch die Stadt zum Bremer Flughafen. Dort befindet sich der zweitgrößte Airbus-Standort in Deutschland, zuständig für die Konstruktion, Fertigung, Integration und Erprobung der Hochauftriebssysteme für die Flügel aller Airbus-Flugzeugprogramme.  Der Standort ist außerdem Kompetenzzentrum für Weltraumtransport, bemannte Raumfahrt und Raumfahrt-Robotik. Seine Mitarbeiter arbeiten an Programmen wie dem Automated Transfer Vehicle ATV, der Ariane-5-Trägerrakete und dem Multi-Purpose Crew Vehicle – einem Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA. Bremen ist zudem verantwortlich für den Betrieb der europäischen Komponenten der Internationalen Raumstation ISS. Denn hier wurde das Columbus-Modul der ISS zusammengesetzt und noch heute kann ein 1:1-Nachbau hier besichtigt werden.

Bob ist natürlich dabei, wenn es auf die Internationale Raumstation geht … Die Blogger dürfen derweil einen Blick in die Labors der Ingenieure bei Airbus werfen.

Raumfahrt zum Anfassen nah – Die Teilnehmer der Pressereise durften einen Blick in den Cleanroom werfen, wo Ingenieure an aktuellen Raumfahrtprojekten von Airbus arbeiten.

Auch die Oberstufe der Ariane Rakete wird in Bremen gefertigt.

Wie schwer ist ein Liter Milch auf dem Jupiter? Oder auf der Venus? Marcus und Jakob testen ihre Kräfte an einem Experiment bei Airbus.

Höhepunkt des Besuchs bei Airbus war natürlich der Gang durch den 1:1-Nachbau der Internationalen Raumstation ISS, die derzeit rund 400 Kilometer über der Erde mit 28000 Stundenkilometern dahinrast. Wie kommen Wasser und Lebensmittel zu den Astronauten? Wie lebt, schläft und forscht man bei Schwerelosigkeit? Im begehbaren Modell des Columbus-Moduls gab es die spannenden Antworten. Die Raumfahrtführung findet übrigens regelmäßig statt und kann hier gebucht werden.

Ganz schön eng hier! Wie lebt und arbeitet man eigentlich im Weltraum? Die Teilnehmer begehen den 1:1-Nachbau der Internationalen Raumstation (ISS)

Schaf Paul testet auch hier die Sitzgelegenheiten … Ob das Loriot-Sofa bequemer war?

Neben Cleanroom und ISS-Nachbau gab es weitere faszinierende Raumfahrtexponate zu bewundern, wie beispielsweise das originale Spacelab, das jahrelang im Weltall im Einsatz war.

Auch in der Modellversion werden die riesigen Ausmaße der Internationalen Raumstation deutlich …

 

Blogger Nicolo staunt nicht schlecht …

Wie landet man auf einem Asteroiden?

Kaum der Internationalen Raumstation entstiegen, stand schon der nächste Programmpunkt an. Zum Abschluss des Tages ging es um den Touchdown auf einem außerirdischen Flugkörper. „Kontakt mit einem Asteroiden – Hayabusa2 und MASCOT“ heißt eine Ausstellung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die noch bis Oktober in der Unteren Rathaushalle Bremen zu sehen ist.

Die japanische Raumsonde Hayabusa2 befindet sich seit Dezember 2014 auf einer Mission zum Asteroiden 162173 Ryugu. Mit an Bord ist der Lander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout),  federführend vom DLR in Bremen entwickelt. Anfang Oktober soll der kleine Lander auf dem Asteroiden aufsetzen und verschiedene Experimente durchführen.

Wir hatten das Glück, von Christian Grimm, einem der verantwortlichen Ingenieure des Projektes, durch die Ausstellung geführt zu werden.

Auf zum Asteroiden Ryugu … die japanische Raumsonde Hayabusa 2 trägt eine für Bremer besonders wertvolle Fracht mit sich.

MASCOT trägt vier wissenschaftliche Experimente – davon drei aus Deutschland – zur Untersuchung der Geologie, der Chemie und der physikalischen Eigenschaften des Asteroiden. Ziel ist es genauere Einblicke in die Beschaffenheit und den Aufbau erdnaher Asteroiden zu gewinnen, um diese sehr alten Fragmente des Sonnensystems zu verstehen und somit auch neue Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der Planeten zu gewinnen. Nicht zuletzt werden die Erkenntnisse auch dazu beitragen, mögliche Asteroidenabwehrmissionen effektiver zu planen.

MASCOT wird Anfang Oktober 2018 von Hayabusa2 abgetrennt und auf Ryugu landen, um dann für mindestens 16 Stunden messend auf dem Asteroiden Ryugu aktiv zu sein. Dabei kann MASCOT bis zu 70 Meter weit hüpfen und so erstmals an verschiedenen Orten auf einem Asteroiden Messungen vornehmen.

DLR-Ingenieur Christian erläutert, wie der kleine Asteroidenlander MASCOT entstand und welche großen Aufgaben vor ihm liegen.

Mit leuchtenden Augen verfolgten die Besucher der Ausstellung die Erläuterungen des jungen Wissenschaftlers. Hier wurde die Faszination Raumfahrt wieder einmal hautnah deutlich. „Mit diesem kleinen Kasten wollt ihr auf einem fliegenden Asteroiden landen?“ „Was passiert, wenn er von der Oberfläche abprallt?“ „Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen?“ Auch am Ende des langen Tages wollten die Fragen der Blogger und Journalisten kaum enden. Und immer wieder erstaunte Ausrufe: „Ach, wirklich? Und DAS kommt aus Bremen?“

Schaf Paul bekommt große Augen – im Vergelich zu ihm wirkt der Asteroidenlander winzig. Im Bild unten rechts (der Herr in der Mitte) sieht man übrigens Ingenieur Christian bei der Arbeit an MASCOT.

Auch ein Astronaut muss essen

Den Kopf gefüllt mit spannenden Raumfahrtabenteuern, faszinierenden Experimenten und aufregenden Weltall-Missionen war es nun an der Zeit, die Füße wieder an den Erdboden zu bekommen und neue Kraft zu tanken. Zum Abschluss des Tages ging es deshalb ganz bodenständig in Bremens ältestes Stadtviertel, den Schnoor. Hier servierte das Teestübchen typisch norddeutsche Küche, die natürlich von allen Bloggern zunächst ausgiebig fotografiert werden musste – der Job geht vor!

Arbeit geht vor – unter Bloggern wird natürlich zunächst das Essen fotografiert …

Vermutlich besser als Astronautennahrung: Nach einem anstrengenden Tag im Weltall gibt deftiges Essen neue Kraft.

Auf Entdeckertour im Universum

„Erkläre es mir und ich werde es vergessen. Zeige es mir und ich werde mich erinnern. Lass es mich selber tun und ich werde es verstehen.“ Was schon der alte Konfuzius wusste, wird in Bremen ganz hautnah spürbar. Verschiedene Wissenswelten haben sich auf die „Vermittlung von Wissen durch Ausprobieren“ spezialisiert. Deshalb ging es am letzten Tag der Pressereise ins Universum (passender kann der name des Science Center nicht sein).

Derzeit läuft hier die Ausstellung „Space Girls Space Women“, in der wir auf eine „alte Bekannte“ stießen. Von einem der Exponate lächelte und Tra Mi Ho entgegen. Die Wissenschaftlerin ist Projektleiterin der MASCOT-Mission, des kleinen Asteroiden-Landers, den wir am Tag zuvor kennengelernt hatten.

Die Wissenschaftlerin Tra Mi Ho des DLR ist Projektleiterin des MASCOT-Projektes. Sie wird in der Ausstellung „Space Girls Space Women“ vorgestellt.

Doch neben der kleinen Fotoausstellung im Erdgeschoss des walähnlichen Universums, faszinierte die Teilnehmer der Reise vor allem die Dauerausstellung: über 250 Exponate zum Anfassen, Mitmachen und Experimentieren zu den Themenwelten Mensch, Natur und Technik. Mit allen Sinnen erfahren die Besucher hier, was nach dem Urknall geschah, wie ein Tornado entsteht oder welche Sprachen es auf der Welt gibt.

Nicolo verfolgt gebannt die Kugelbahn, Lara fotografiert den Querschnitt eines menschlichen Skeletts und Martina steckt ihr hand mitten in einen kleinen Nebelwirbel – im Universum gibt es für jeden etwas zu Entdecken.

Jedesmal wieder ein Muss für mich: Einmal die Plasmablitzkugel berühren ;-)

Papponaut Bob behält den Überblick auf dem Turm der Lüfte mit Blick auf das silberne Universum und das rostrote Sonderausstellungsgebäude des Science Centers.

Zum Abschluss ein Blick vom Turm der Lüfte. Der Außenbereich, Deutschlands erstes Freiluft-Gelände dieser Art, mit seinen Stationen zum Thema Bewegung begeistert besonders die kleinen Besucher. Sie können an der Wasserschraube die Schwerkraft überlisten oder ausprobieren, wie sich ein Jo-Jo wohl fühlen muss.

„Bremen hat mich überrascht – das hätte ich nicht gedacht“. Das war das Fazit der Teilnehmer, die während der drei Tage die Faszination Raumfahrt in der historischen Hansestadt erleben durften. Tja, so jung kann alt sein.

Das Raumfahrtjahr #sternstunden2018 läuft noch bis Anfang Oktober 2018, doch auch anschließend gibt es viele Gelegenheiten, einen Blick in die Welt aus Forschung und Wissenschaft zu werfen. Ob bei der Raumfahrtführung oder einem Besuch auf dem Fallturm.

Marcus (Macjosetty auf Instagram) vom Blog „Burgturm“ ist schon ewig Science Fiction-Fan und fand in Bremen Motive, die ihn begeisterten.

Nicolo vom „Nicolos Reiseblog“ war zwar schon mal in Bremen, diese Seite der Stadt kannte er allerdings noch nicht.

Viele Infos rund um Bremen als Raumfahrtstandort findet ihr übrigens auch auf den Seiten der WFB Wirtschaftsförderung Bremen.

 

Wir sammeln fleißig die Berichte der Teilnehmer und werden sie hier veröffentlichen, sobald sie online sind:

Helga schreibt für den Blog trolley-tourist.de:

https://trolley-tourist.de/sternstunden-bremen-airbus/  

Katharina veröffentlicht ihre Texte im Niederlandeblog:

IAC 2018 & Space Year in Bremen

Martinas Blog heißt places-and-pleasure.de:

Raumfahrtstadt Bremen – welche Sternstunden du dort erleben kannst

 

 

Gruppenfoto mit Papponaut

4 Anmerkungen zu “#sternstunden2018 – Eine Reise zu Bremens Raumfahrtstandorten

  1. Mac says:

    Es war super! Tolle Orga und viele interessante Momente sowie viel Spaß mit den Teilnehmer/innen.

    Besten Dank!

    Bremen kann was!
    Komme gerne wieder.

    Mein Bericht ist auch bald online.

    Beste Grüße
    Mac

  2. Maike Bialek says:

    Dankeschön! :-) Hat viel Spaß gemacht mit euch!!! Gerne wieder #rattequila!

  3. Alles rundum gelungen. Ein wunderbares Wochenende, an dem ich ungewöhnliche Bremer Seiten entdecken konnte. Ein großes Dankeschön.

  4. Maike Bialek says:

    Liebe Helga, uns hat es auch sehr viel Spaß gemacht mit euch! Lieben Dank für den tollen Bericht!

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