Bier

Flüssige Köstlichkeiten aus einem anderen Blickwinkel – Eine kulinarische Zeitreise

Bremen scheint ja voll von Stereotypen zu sein. Die stoischen Bremer Stadtmusikanten, der allgegenwärtige Roland und vor allem die unterkühlte Bremer Schnauze. Bremen ist aber so viel mehr und vor allem eine Stadt mit einer enormen kulinarischen Geschichte.

Zeitzeugen der letzten Jahrhunderte laden dazu ein, Bremen zu entdecken. Dabei rede ich nicht von touristischen Attraktionen, sondern vom unverwechselbaren Geschmack der Hansestadt. Kulinarik und vor allem der Genuss gehören immer dazu, um eine Region mit Haut und Haaren zu entdecken und Bremen weiß, wie es seine Gäste begeistert.

Ich mache mich also auf den Weg, um mich Bremens kulinarischen Genüssen hinzugeben und stoße dabei auf geschichtsträchtige Orte und Geschmäcker. (mehr …)

Knipsen und kosten: #tastebremen – eine Bloggerreise

„Hat es Ihnen nicht geschmeckt? Sie haben Ihr Essen ja gar nicht fotografiert!“ – dieser neumodische  Kellnerwitz passte so gar nicht zu unserer Bloggerreise unter dem Motto #tastebremen im September. Denn fotografiert (und probiert!) wurde alles. Einfach alles! (mehr …)

Bremen maritim: Wo Landratten gern zu Wasser gehen

Ich habe gerade die ersten beiden Teile von „Fluch der Karibik“ gesehen. Mal wieder. Genau die richtige Vorbereitung, um sich am nächsten Tag mit ein paar freibeuterischen Gefühlen an Bord des neuen Gastronomie- und Hotelschiffs „Alexander von Humboldt“ zu wagen und sich das berühmte Beck’s-Schiff bei einer Schiffsführung genauer anzuschauen.

Los geht es in der Innenstadt. Von der Wachtstraße aus fährt der Bus in Richtung Neustadt, vorbei am Beck’s und Haake-Beck Besucherzentrum, wo auch die Brauerei-Touren starten.

Pinnocchio wäre gerne mitgefahren.

Pinnocchio wäre gerne mitgefahren.

Während der Fahrt erfahre ich schon mal eine Menge über Bremer Bier: Zum Beispiel, dass jede Minute  weltweit 3000 Flaschen Beck’s geöffnet werden. Oder dass die Flaschenfarbe der Bremer Biermarke reiner Zufall war – der Lieferant hatte einfach auch grüne Weinflaschen im Repertoire. Als ein kurzer Exkurs zu Craft Bieren beginnt, beobachte ich lieber den freitäglichen Stauwahnsinn in Richtung Hochstraße. Denn das mit dem Bremer Hopfenfänger und dem süffigen Surfer-Bier kommt mir bekannt vor.

„Folge deinem inneren Kompass“

Auf der Fahrt erinnere ich mich: Das weltweit beliebte Spitzen-Pilsener von Welt setzte der „Alex“ mit ihren grünen Segeln in den neunziger Jahren ein Denkmal und machte es in zahlreichen Werbespots zu DEM Beck’s-Schiff. Der Song „Sail Away“ löst auch bei mir heute noch ein akutes Durstgefühl aus, wahrscheinlich wurde ich tatsächlich durch Werbung sozialisiert und mit meinen Gefühlen stimmt gar nix mehr.

Die markanten grünen Segel machten die Alex zum langjährigen Beck's-Werbeschiff.

Die markanten grünen Segel machten die Alex zum langjährigen Beck’s-Werbeschiff.

Feierabend-Cocktails auf dem Oberdeck, eine gute Idee.

Feierabend-Cocktails auf dem Oberdeck, eine gute Idee.

Auf der Busfahrt erfahre ich, dass die „Alex“ 1906 von der Bremer Weserwerft gebaut wurde und bis 1986 in deutschen Gewässer als Reserve-Feuerschiff im Einsatz war. Nach einer schweren Kollision mit einem Motorschiff begann die Frühverrentung des Feuerschiffs: Es wurde von der Deutschen Stiftung Sail Training gekauft und zur Windjammer umgerüstet. 1988 wurde die Bark auf den Namen „Alexander von Humboldt“ getauft, benannt nach dem großen deutschen Naturfoscher. Bis 2011 war sie als Ausbildungsschiff für Jugendliche unterwegs.

Ein Blick vorbei an den Kabinen bis zur Kombüse - und zurück.

Ein Blick vorbei an den Kabinen bis zur Kombüse – und zurück.

Nach 80 aktiven Dienstjahren ist die „Alex“ jetzt im Hafen der Rente angekommen. Könnte man meinen. Als ich am Europahafen aus dem Bus steige und  das Deck der „Alex“ erklimme, erlebe ich jede Menge Trubel: Unten, im Restaurantbereich werden die letzten Tische eingedeckt, draußen an Bord bestellt ein Tisch mit Gästen Bier, ein anderer Chilli con Carne. Und auf der Gangway werden leere Bier-Fässer von zwei Männern hinauf gerollt.

Auf der Speisekarte stehen ansonsten solide norddeutsche Gerichte wie Bremer Labskaus, Matjes und Nordseekrabben – aber neben Chili auch kubanisches Fischcurry und Vanillepudding auf Rum-Kirschen, um die Gäste auf Deck zu verlocken. Jack Sparrow hätte sicherlich Aperol Sprizz und Rhabarbersaft zum Teufel gejagt und eine Flasche Captain Morgan bestellt, ay, keine Frage.

Seefahrer-Romantik mit Komfort

Bei der Schiffsführung entpuppt sich der nette Busfahrer zugleich als kurzweiliger Führer und aktueller Bewohner der Kapitänskajüte. Jochen Prasuhn zeigt uns die „Blaue Lagune“, das Reich des Kapitäns, das im ursprünglichen Stil erhalten blieb. Ein Ehepaar aus Berlin ist ebenfalls dabei als wir zwei der insgesamt 15 Doppel- und Vierbettkabinen begutachten, in denen insgesamt bis zu 40 Personen nächtigen können. Wo früher acht Mariner unterkamen (Pumakäfig), teilen sich jetzt maximal vier Personen die Unterkunft (Komfort-Unterkunft) mit modernem Bad inklusive Dusche und WC.

Jochen Prasuhn führt durch die "Blaue Lagune" und die Kabinen mit typischem Schiffsausblick.

Jochen Prasuhn führt durch die „Blaue Lagune“ und die Kabinen mit typischem Schiffsausblick.

Unser Lotse Jochen freut sich auf das kommende Jahr, wenn die „Alex“ endlich am Martinianleger schwimmen darf. „Die Lage hier ist gut, aber direkt an der vorderen Schlachte werden viel mehr Gäste das Schiff entdecken.“ Er bringt mir und meiner Begleitung ein wohltemperiertes Beck’s auf das Deck und wir machen es uns am Bug bequem, um die Aussicht und das Schunkeln des Schiffes zu genießen – ganz anders als auf der ewig düsteren Black Pearl, vermute ich.

Die grünen Segel sind noch da!

Die grünen Segel sind noch da!

Karibik und Kanaren statt Isla Muerta

Schon merkwürdig, denke ich, als ich lese, dass die „Alex“ unzählige Reisen quer durch die Weltmeere unternommen hat. Zwar hatte sie nie die Isla de Muerta vor Augen, jedoch die Karibik, Kapverden und Kanaren angesteuert sowie mehrere Atlantiküberquerungen und die Umrundung Kap Hoorns absolviert. Dabei legte der Dreimaster über 500.000 Seemeilen zurück. Und jetzt liegt er hier, im Bremer Hafen. Seitdem die „Alex“ 2013 als Gastronomie- und Hotelschiff umgebaut wurde, beschäftigt sich die Crew natürlich nicht mehr vorrangig mit Rigg, Windstärke und Logbuch, sondern mit frischer Bettwäsche und dem täglichen Getränkenachschub.

Ein alkoholfreies Beck's und ein paar Notizen - das Bloggerinnenleben ist hart.

Ein alkoholfreies Beck’s und ein paar Notizen – das Bloggerinnenleben ist hart.

Ein schönes Rentnerinnen-Dasein, finde ich. Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und im Rückblick viele schöne Erinnerungen – was will man mehr?! Und wer es piratenhafter mag, guckt entweder 2017 den fünften Teil von „Fluch der Karibik“ oder besucht bis dahin mal die „Admiral Nelson“ mit ihren imposanten Kanonen an Bord.

Und wer jetzt nicht nur Lust auf die „Alex“ bekommen hat, sondern sich mehr Dreimaster, Schoner und Segelkutter anschauen möchte, kann sich vom 12. bis 16. August auf der Sail Bremerhaven satt sehen. Dort ist auch die „Alexander von Humboldt II“ zu entdecken, die Nachfolgerin der „Alex“. Viel Vergnügen, äh, Mast und Schotbruch!

Heldenhaft: Eine Bar über der Kinoleinwand

In Bremen gibt es ab und zu schlechtes Wetter, diese Tatsache möchte ich gar nicht beschönigen. Doch in den vielen netten Kinos der Stadt ist man während eines verregneten Nachmittags oder Abends sehr gut aufgehoben. Noch besser ist es allerdings, wenn sich Kino und Bar eine Adresse teilen. So wie die Heldenbar und das Cinema im Ostertor – dann darf der Kinoabend auch mal in einer Cocktail-Sause enden. Ich habe mich allerdings weder für Kino noch Cocktail entschieden, sondern für heldenhaftes Surfer-Bier am Tresen.

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