Vegesacker „Augenblicke“

Vor einiger Zeit bin ich durch Zufall über ein kleines Buch gestolpert, das mich nachhaltig fasziniert hat. In „Bremer Augenblicke“ zeigt Autorin Valeska Scholz Fotos aus der Hansestadt, die sie durch eine Kleinigkeit zu kleinen Kunstwerken hat werden lassen. Ihr simpler Trick: Zwei weiße Papieraugen – aufgeklebt auf die irrwitzigsten Dinge der Stadt – lassen diese plötzlich zum Leben erwachen und die lustigsten Figuren entstehen.

Das Tolle bei diesem Werk: Die Papieraugen gab es hinten im Buch zum Ausschneiden mit dem Hinweis „Nachmachen ausdrücklich erwünscht!“. Und das brachte mich auf die Idee, den maritimsten Stadtteil Bremens „mit ganz neuen Augen“ zu betrachten … Lasst euch einfach mal verzaubern:

Augen

Mein Spaziergang führte mich entlang der Maritimen Meile vom Aussichtsturm (der ist inzwischen leider geschlossen) ganz im Westen bis zum genau 1.852 Meter (exakt eine Seemeile) entfernten Wissensspeicher „Spicarium“ (seit Ende 2015 geschlossen). Hier gibt es übrigens eine gute Übersichtskarte, wenn ihr euch selbst auf den Weg machen möchtet.

Der Schlepper Regina war rund 22 Jahre bei der Bremer Vulkan Werft im Einsatz, bevor die Mitglieder des Vereins MTV Nautilus e. V. das mit 100 BRT vermessene Schiff 1990 auf der Vegesacker Weserpromenade aufgestellt haben. Interessant für Schiffsliebhaber ist vor allem der Voith-Schneider-Antrieb, der dem Schiff eine besonders hohe Manövrierfähigkeit verliehen hat und gleichzeitig dafür sorgte, dass auch bei starker Strömung eine fixe Position gehalten werden konnte.

Die Informationstafeln, die der MTV Nautilus e.V. auf der Maritimen Meile aufgestellt hat, unterstützen übrigens individuelle Erkundungstouren mit spannenden aktuellen und geschichtlichen Hinweisen.

Regina_Maike Lucas

Der Stadtgarten, durch den es nun weiter Richtung Hafen geht, ist die grüne Lunge des Stadtteils Vegesack. Hier finden während des Festival Maritims viele Konzerte statt, und zur „Landpartie“ gibt’s jede Menge „Schöne Dinge“ für Haus und Garten zu kaufen. Zwischendrin dient der Park der Erholung und ist ein toller Ort, um einfach nur die Seele baumeln zu lassen – immer mit Blick aufs Wasser, versteht sich.

Stadtgarten1_Maike Lucas Stadtgarten2_Maike Lucas

Große Augen bei Lürssen: Ja, da kann man schon mal große Augen bekommen. Hier in der Vegesacker Lürssen Werft entstehen die edelsten Luxusyachten der Welt. Bis 2013 lag hier sogar die von Lürssen gebaute „Azzam“ vor Anker, die derzeit längste Privatyacht der Welt.

Lürssen_1_2_MaikeLucas

Der Utkiek (norddeutsch für „Ausguck“) befindet sich am südlichen Ende der Alten Hafenstraße. Von dort aus hat man einen weiten Blick weserauf- und weserabwärts. Der Schönebecker Sand mit Lesummündung sowie das niedersächische Lemwerder mit seiner Fähranlage und seiner Bootswerft Abeking & Rasmussen ist zu sehen. Dreht der Beobachter sich um 180 Grad, so guckt er auf das Ur-Vegesack: Gastwirtschaften wie „Godenwind“, „Vegesacker Junge“, „Fährhaus“ und das „Havenhaus“ bieten jede Menge leckere Spezialitäten oder auch nur ein süffiges Bier, je nachdem, wonach dem Besucher der Sinn steht.

Utkiek_Maike Lucas

Der „Vegesacker Museumshaven“ mit liebevoll restaurierten Traditionsschiffen und historischen Speichern ist ein weiteres Highlight auf der „Maritimen Meile“. Bereits vor dem Hafenbau dienten die Lesummündung und das Aumunder Tief als natürlicher Hafen. Ende des 16. Jh. konnten Handelsschiffe mit größerem Tiefgang nicht mehr bis nach Bremen segeln, weil die Weser so stark versandet war. Deshalb wurde von 1619 bis 1623 der Vegesacker Hafen gebaut, denn hier war die Weser noch tief genug für die Seeschiffe. Es war der erste künstliche Hafen in Deutschland. Der Schifferverein Vegesacker Museumshaven e.V. erlöste den Haven von seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf und machte 2006 aus ihm das, was seiner bewegten und langen Geschichte gebührt: einen Museumshaven. Im Laufe der Jahre haben ein echtes Museumsschiff und 23 historische bzw. traditionelle Schiffe in Vegesack ihre Heimat gefunden. Gleichzeitig führt aber auch eine hochmoderne Seilzug-Klappbrücke über den Museumshaven.

Drehbrücke_Maike Lucas

Seit 1996 liegt an der Maritimen Meile das einzig erhalten gebliebene Vollschiff der deutschen Schifffahrtsgeschichte, die „Schulschiff Deutschland“, die heute Platz für Übernachtungen, Tagungen und Trauungen anbietet.

Schulschiff_Maike Lucas

Die Erlebnisausstellung Spicarium (seit Ende 2015 geschlossen) komplettiert die Vegesacker Attraktionen rund um Museumshaven, Kapitänshäuser und Signalstation. Wer wissen will, warum Haihaut für die Schifffahrt von elementarem Interesse sein kann und wie die Flügel von Käfern beim Schiffbau weiterhelfen, findet hier jede Menge Antworten. Denn die sogenannte Bionik ist Thema in der oberen Etage des alten, zum Erlebnismuseum umgebauten Speichers.

Spicarium_Maike Lucas

Ihr seht schon, es gibt jede Menge zu entdecken im maritimen Norden der Stadt. Manchmal muss man einfach nur die Augen aufmachen – oder aufkleben ;-)

Vegesack ist übrigens alljährlich Schauplatz maritimer Veranstaltungen: Rund um den Hafen findet das traditionelle Vegesacker Hafenfest statt. Viele große und kleine Schiffe, allen voran die „Schulschiff Deutschland“, sorgen für ein tolles Panorama. Schiffs­besichtigungen, Kutterpullen und ein vielseitiges Landprogramm mit Musik auf drei Bühnen mit Seemannschören, Straßenkünstlern sowie einem breiten Angebot an Gaumenfreuden machen dieses Fest zu einem stimmungsvollen Ereignis.

Leinen los für starke Songs heißt es alljährlich im August beim Festival Mari­tim. Es präsentiert Sea-Songs und Shanties aus aller Welt bei einem Musikereignis zwischen Kunst, Kultur und Kuriosem im Bremer Norden. Bands aus Deutschland und der ganzen Welt sowie regionale Shanty-Chöre verwandeln Vegesack drei Tage lang in eine maritime Open-Air-Bühne.

Also los, „Seh“-Männer und -Frauen, ab auf große Fahrt und Entdeckungstour!

Smile_Maike Lucas

Mehr Infos über die Attraktionen im Bremer Norden findet ihr hier.

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