Mit dem Kopf in den Sternen – Frauen auf Weltraummission

Das Bremer Raumfahrtjahr „Sternstunden 2018“ hat begonnen. In dessen Rahmen finden im Laufe des Jahres über 100 Veranstaltungen und Aktionen statt. Im Universum Bremen wurde das Themenjahr eröffnet – mit einer Ausstellung, die zeigt, wie sehr Frauen international in der Branche vertreten sind und wie sehr sie auch in Bremen wichtige Positionen besetzen.

An einem Dienstagmorgen radel ich entlang des Bürgerparks gen Norden zum Universum Bremen. An der Universitätsallee blickt mir das ungewöhnliche Gebäude bereits entgegen. Die Namen für den Koloss sind zahlreich. Viele nennen ihn den „Wal“. Es könnte aber auch ein gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie sein, denke ich beim Vorbeifahren. Mein Kopf füllt sich mit Bildern aus Science-Fiction-Serien und -Filmen. Das wird auch in den kommenden zwei Stunden so bleiben.

Gestrandetes Raumschiff? Zumindest könnte man sich das einbilden. Im Innern ist eine Erlebnisausstellung zu den Themen Mensch, Natur und Technik zu besichtigen.

Gestrandetes Raumschiff? Zumindest könnte man sich das einbilden. Im Innern ist eine Erlebnisausstellung zu den Themen Mensch, Natur und Technik zu besichtigen.

Auf Mission

Im Eingangsbereich des 2007 angebauten Gebäudes gegenüber des charakteristischen Ovalbaus treffe ich Bastian Bullwinkel aus der Presseabteilung und Ausstellungsleiterin Kerstin Haller. Durch den schlauchartigen Gang gelangen wir über die Straße hinweg ins Innere des „Raumschiffs“. Ich fühle mich kurz wie Jodie Foster in „Contact“ (1997) oder wie Tom Hanks in „Apollo 13“ (1995).

Die Ausstellung "Space Girls Space Women" ist eine passende Einstimmung zum Bremer Raumfahrtjahr "Sternstunden 2018".

Die Ausstellung „Space Girls Space Women“ ist eine passende Einstimmung zum Bremer Raumfahrtjahr „Sternstunden 2018“.

Die Ausstellung, die wir uns anschauen, befindet sich auf der unteren Etage am Boden des großzügigen Treppenaufgangs, der sich über alle Ebenen bis unters Dach schraubt. Auf der Fläche sind vierseitige Aufsteller errichtet worden, auf denen die großformatigen Bilder Platz finden. Sie alle zeigen Frauen, die mit ihrem Schaffen und ihrer Arbeit einen Bezug zum Weltall haben. Die Wanderausstellung Space Girls Space Women gastiert zum ersten Mal in Deutschland. Sie ist seit 2015 auf Tour und wurde gemeinsam von der ESA und der Fotoagentur Sipa Press konzipiert.

Auch Bremerinnen greifen nach den Sternen

„Zum Bremer Raumfahrtjahr fanden wir diese Ausstellung besonders passend“, erzählt Kerstin Haller. „Und weil Bremen nun mal auch international einer der wichtigsten Standorte für die Raumfahrt ist, haben wir die schon bestehende Ausstellung der ESA ergänzt.“ Sieben Bremerinnen wurden hierfür an ihren Arbeitsorten vom Fotografen Jonas Ginter porträtiert. Insgesamt arbeiten in Bremen rund 12000 Menschen in der Raumfahrtbranche. 20 Prozent davon sind Frauen.

Bremerinnen greifen nach den Sternen: Claudia Kessler fördert gezielt junge Frauen in der Raumfahrtbranche (oben), Christiane Heinicke lebte ein Jahr lang mit anderen Wissenschaftlern unter marsähnlichen Bedingungen (Mitte) und Anna Adamczyk führt thermische Analysen für Raketen durch (unten). (Fotos: Jonas Ginter)

Bremerinnen greifen nach den Sternen: Claudia Kessler fördert gezielt junge Frauen in der Raumfahrtbranche (oben), Christiane Heinicke lebte ein Jahr lang mit anderen Wissenschaftlern unter marsähnlichen Bedingungen (Mitte) und Anna Adamczyk führt thermische Analysen für Raketen durch (unten). (Fotos: Jonas Ginter)

Unendlicher Raum, unendliche Themenvielfalt

Beim Betrachten der Bilder wird einiges deutlich: Raumfahrt heißt nicht nur, die Erde mittels Rakete zu verlassen. Raumfahrt zieht sich vielmehr durch sämtliche Themenbereiche. Es werden Frauen vorgestellt, die Expertinnen für Extrem-Temperaturen sind (Kryotechnik und Thermalengineering). Auch Materialforscherinnen, Kommunikationsfachfrauen und Technikerinnen aus der Robotik werden gezeigt. Die Bandbreite ist enorm und sie sind über die ganze Welt verteilt. „Gerade in diesem Bereich ist das Netzwerken unglaublich wichtig“, betont auch Kerstin Haller.

Mut zum Träumen

Die 24 Frauen der internationalen Ausstellung wurden übrigens alle auch von Frauen fotografiert, um dem Ansatz treu zu bleiben. Während wir durch die Ausstellung gehen, erzählen mir Kerstin Haller und Bastian Bullwinkel einiges zu den Personen auf den Fotos. Ich höre von jungen Mädchen, die sich in einem Space-Camp in den USA auf eine Shuttle-Reise zum Mars vorbereiten. Ich erfahre von Samantha Cristoforetti, die bereits auf der ISS war und auch wieder hinfliegen wird. Das von ihr ausgestellte Foto zeigt sie in einem Raumschiffmodell bei der Vorbereitung auf einen Weltraumflug. Ihr konzentrierter Blick, ihre erstaunlich entspannte Mimik, ihr leichtes Lächeln beeindrucken mich. Es gehört eine Menge Mut dazu, ins All zu fliegen. Ich hätte ihn nicht.

Eine Physikstudentin aus Kenya wird bei ihrer Forschungsarbeit gezeigt. Auch Frauen aus Indien, Chile und Russland  werden in kurzen Texten vorgestellt. Wer mehr lesen möchte, kann das im Netz tun. Dort gibt es auch kleine Filme und die Frauen geben Ratschläge an junge Weltraumfans weiter. Neben Laboren und großen Forschungsanlagen wird auch der „Europäische Weltraumbahnhof“ in Kourou,  Französisch-Guayana, ein paar Mal erwähnt. Bei dem Wort steigt in mir eine sonderbare Mischung aus Fernweh und Heimweh auf. Ich fühle mich plötzlich ziemlich klein.

Sieben Bremerinnen wurden von Jonas Ginter an ihren Arbeitsplätzen in Szene gesetzt.

Sieben Bremerinnen wurden von Jonas Ginter an ihren Arbeitsplätzen in Szene gesetzt.

Auch über die Bremerinnen, die in einem der branchenzugehörigen Unternehmen oder Institute arbeiten (das sind in Bremen immerhin 140 Firmen und 20 Forschungsstätten), höre ich noch spannende Geschichten. Sie repräsentieren ebenso wie die 24 Frauen der internationalen Ausstellung die Bandbreite und Themenvielfalt, mit der sich dem Universum genähert werden kann.

Universum überall

Apropos „Universum“: Die Stätte, in der ich mich befinde, trägt zwar den passenden Namen zur Ausstellung. Die Inhalte der Dauerausstellung des Wissenschaftscenter unterliegen aber den Themengebieten „Natur“, „Mensch“ und „Technik“. Damit haben sie nur am Rande mit astronomischen Bereichen zu tun. Allerdings wird mir beim abschließenden Gang durch die Erlebnisausstellung bewusst, dass das Universum getreu seines Namens natürlich überall ist.

Die drei Bereiche im Universum Bremen.

Die drei Bereiche im Universum Bremen.

Im Technik-Bereich begegne ich einem Roboterfahrzeug, das sicherlich auch auf dem Mond unterwegs sein könnte. Auf der Mensch-Ebene kann ich per Wärmebildkameras meinen Körper in Temperaturen abbilden lassen. Eine Technik, die auch in der Weltraumforschung ihren Einsatz findet. Ganz oben auf der Etage der Natur schließlich kann ich mir auf einem großen Ball Satelliten-Bilder der aktuellen Wolkenformationen um die Erde anzeigen lassen. Der Blick aus dem All auf unseren Heimatplaneten – sehr wenige Menschen, darunter einige Frauen, haben diese Perspektive bisher einnehmen dürfen.

Der Blick von außen - so sieht unser Planet aus dem All aus (oben). Der Laufroboter "Skorpion" (unten links) ist mit seinen acht Beinen recht mobil. Temperaturen spielen auch in der Raumfahrt eine wichtige Rolle (unten rechts).

Der Blick von außen – so sieht unser Planet aus dem All aus (oben). Der Laufroboter „Skorpion“ (unten links) ist mit seinen acht Beinen recht mobil. Temperaturen spielen auch in der Raumfahrt eine wichtige Rolle (unten rechts).

Mission accomplished

Als ich aus dem Universum wieder nach draußen komme, fällt mein Blick auf die große „Autowaage“, die vorm Eingang errichtet ist. Dank des großen Hebels schaffe ich es tatsächlich alleine, den 1,5 Tonnen schweren PKW auf seiner Plattform anzuheben. Obwohl ich doch nur so ein klitzekleines Element in diesem riesigen Weltraum bin, fühle ich mich auf einmal unglaublich stark. :)

Stichwort "Hebelwirkung": Ein einzelner Mensch kann tatsächlich das Auto anheben. Vorausgesetzt, er oder sie sitzt am längeren Hebel. :)

Stichwort „Hebelwirkung“: Ein einzelner Mensch kann tatsächlich das Auto anheben. Vorausgesetzt, er oder sie sitzt am längeren Hebel.

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