Glücklich wie der grinsende Buddha

Worpswede feiert seinen 800. Geburtstag mit einem großen Festwochenende mit speziellen Führungen und anderen Aktionen. Grund genug für mich, dem Künstlerdorf mal wieder einen Besuch abzustatten, um zu erfahren, was die Besucher am Wochenende erwartet.

Worpswede ist mir grundsätzlich gut bekannt. Jedes Jahr im Sommer gehört mindestens eine Fahrradtour die Wümme entlang in das Künstlerdorf zu unserem Pflichtprogramm. Wir fahren an Wiesen und Feldern vorbei, machen Halt in einem der Cafés in der Bergstraße und fahren dann gemütlich wieder zurück. Die geplanten Festlichkeiten zum 800. Jubiläum waren also ein schöner Anlass, Worpswede mal wieder einen Besuch abzustatten und mir noch nicht bekannte Ecken und vor allem die Geschichte kennenzulernen.

Worpswede – das Künstlerdorf im Teufelsmoor

Im alten Rathaus kamen damals Menschen unter

Im alten Rathaus kamen damals Menschen unter

Die Worpsweder Kunsthalle

Die Worpsweder Kunsthalle ist Teil des Museumsverbunds

An einem dieser schönen Sommertage im Juni führte mich mein Weg also morgens vor dem Start im Büro in das Künstlerdorf zu einem Treffen mit Daniela Platz, Gästeführerin und Urheberin der speziell für das Jubiläum entwickelten Stadtführung. Los ging es für uns am alten Rathaus die Bergstraße hoch, Start des touristischen Kerns von Worpswede. Während unseres Gangs gab mir Frau Platz einen Überblick über die Geschichte des Ortes.

Worpswede liegt ca. 20 Kilometer nordöstlich von Bremen inmitten des Teufelsmoors. Die Geschichte von Worpswede geht bis in die Bronzezeit zurück. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde der Ort allerdings 1218. Die ersten Bauern, die von Landwirtschaft und Fischfang lebten, siedelten sich U-förmig rund um den Weyerberg an. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Besiedelung des Teufelsmoors rund um Worpswede, die Einwohner waren zu der Zeit Bauern und Handwerker.

Heute ist der Ort vor allem als Künstlerdorf über die Grenzen hinaus bekannt. Die Künstlerkolonie Worpswede wurde 1889 als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern gegründet. Hier siedelten sich bedeutende Künstler des Jugendstils, Impressionismus und Expressionismus an. In Worpwede arbeiteten und lebten zu der Zeit Künstler wie Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, Fritz und Hermine Overbeck, Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen, Bernhard Hoetger und Clara Westhoff. Grund dafür, dass viele Künstler zu dieser Zeit aus der Stadt herauszogen ware das Interesse für Licht, ländliche Motive und auch die bäuerliche Idylle und das einfache, naturnahe Leben. Deswegen finden sich auch heute noch viele Kultur- und Kunsteinrichtungen sowie Galerien im Ort. Der Worpsweder Museumsverbund besteht heute aus der Großen Kunstschau, der Worpsweder Kunsthalle, Haus im Schluh und Barkenhoff.

„Toll, ein normaler Verrückter zu sein“

Auch die Grabgestaltung ist in Worpswede nicht gewöhnlich

Auch die Grabgestaltung ist in Worpswede nicht gewöhnlich

Auch heute noch zieht Worpswede wegen des speziellen Charms und den guten Arbeitsbedingungen viele Künstler an. So hat eine Künstlerin mal über Worpswede gesagt, dass es toll sei, in Worpswede ein „normaler Verrückter“ sein zu können. Worpswede hat einfach eine andere Toleranz für Künstler als es andere Orte haben. Nicht nur aus der bildenden Kunst kommen die Freischaffenden in den Ort, sondern auch Musiker sind hier sesshaft geworden. Mit der Music Hall hat der Ort eine Konzertlocation, die auch viele bekannte Musiker anzieht und für ein buntes Musikprogramm in der Region sorgt. Darunter auch ein paar Berühmtheiten: Der Keyboarder der Bee Gees ist beispielsweise mit einer Norddeutschen verheiratet und in Worpswede gelandet. Auch die Gebrüder Jehn, die jedem Elternteil wegen ihrer Kinderlieder bekannt sein dürften, kommen aus dem Ort.

Torfkähne – ein Teil der Identität

Erst seit den 1990er Jahren wird in Worpswede auch wieder die Tradition der Torfschifffahrt aufgegriffen. Die Schiffe waren für die Menschen fast wichtiger als ein Haus, weil sie das Einkommen gesichert haben. Bis in die 1940/50er Jahre wurde mit den Kähnen Brenntorf nach Bremen transportiert. Danach gerieten die Torfkähne dann in Vergessenheit, bis die Adolphsdorfer Torfschiffer die Tradition wieder aufleben ließen und ale Kähne restauriert haben. Sie bilden einen Teil der Identität der Moorbewohner, was auch der Grund für die alljährliche Hammenacht ist. Wenn ihr auch mal Lust habt, mit einem der historischen Boote zu schippern, könnt ihr bei einer Torfkahnfahrt vom Findorffhafen ins Teufelsmoor fahren.

Vor dem Philine-Vogeler-Haus steht ein alter Torfkahn

Vor dem Philine-Vogeler-Haus steht ein alter Torfkahn

Es gibt einige direkte Verbindungen von Worpswede zu Bremen: So war zum Beispiel Ludwig Roselius, Kaffeehändler und Gründer von Kaffee Hag, ein Mäzen der Worpsweder Künstler und finanzierte neben der Böttcherstraße, die durch Bernhard Hoetger gestaltet wurde, die Große Kunstschau. Und Paula Modersohn-Becker, die zunächst in Bremen Schwachhausen aufgewachsen war, zog Ende des 19. Jahrhunderts nach Worpswede, um dort zu arbeiten. Kunstwerke von z.B. Bernhard Hoetger finden sich sowohl in Bremen (z.B. Böttcherstraße/Lichtbringer) als auch in Worpswede. Eins seiner bekannteren Werke ist vermutlich der Bonze des Humors – der lachende Buddha. Dieser wurde neben dem Niedersachsenstein von Hoetger 1912 als Kleinplastik entworfen und soll die Lichtseite des Menschen darstellen. Frau Platz erzählte mir schmunzelnd, dass die Gäste Worpswedes so glücklich werden sollen, wie der Buddha. Was für ein hübsches Bild!

Ich will euch aber gar nicht weiter mit den historischen Details bombardieren. Zumal die Gästeführer euch die Geschichte viel lebhafter und vor Ort erzählen können. Es werden ganz verschiedene Führungen angeboten. Unter anderem gibt es eine sogenannte „Flüstertour“, bei der ihr explizit zu den ehemaligen Wohnhäusern der Künstler geht. Falls ihr auch Lust auf eine Tour durch Worpswede bekommen habt, könnt ihr an eine Gruppenführung teilnehmen.

Also: auf nach Worpswede!

Ihr fragt euch jetzt, wie ihr diesem Örtchen einen Besuch abstatten könnt? Dann schnappt euch doch am besten euer Fahrrad und macht eine Fahrradtour nach Worpswede. Auf der kürzesten Route seid ihr 21 Kilometer vom Hauptbahnhof unterwegs. Durch den Bürgerpark fahrt ihr ins Blockland, durch Lilienthal geht es über Worphausen dann in die Künstlerkolonie.

Am Worpsweder Bahnhof hält der Moorexpress - ihr könnt so wunderbar eure Fahrräder mitnehmen und eine Strecke mit der Bahn und eine mit dem Rad absolvieren

Am Worpsweder Bahnhof hält der Moorexpress. Der Bahnhof wurde von Heinrich Vogeler entworfen und wird heute als Restaurant genutzt.

Falls ihr nicht beide Strecken mit dem Rad fahren wollt oder gar nicht, könnt ihr ganz wunderbar mit dem Moorexpress fahren. Diese historische Bahn, die seit 1909 zwischen Elbe und Weser durch das Teufelsmoor fährt und liebevoll auch Moormolly genannt wird, fährt heute von Mai bis Oktober an den Wochenenden und an Feiertagen zwischen Bremen und Stade. Seit einigen Jahren ist ein Waggon extra für Fahrräder reserviert. Tickets bekommt ihr unter anderem in der Tourist-Information im Hauptbahnhof, eine Sitzplatzreservierung insbesondere, wenn ihr mit dem Rad unterwegs seid, würde ich euch empfehlen. Allerdings ist eine Fahrt mit dem Moorexpress leider nicht am Jubiläumswochenende von Worpswede (21./22. Juli 2018) möglich. Ansonsten fährt ungefähr stündlich ein Bus vom Hauptbahnhof nach Worpswede, mit dem ihr innerhalb einer guten Dreiviertelstunde im Künstlerdorf seid.

Das Rathaus von Worpswede ist in einem alten Bauernhof untergebracht und Zentrum der Jubiläumsfeiern

Das Rathaus von Worpswede ist in einem alten Bauernhof untergebracht und Zentrum der Jubiläumsfeiern

Happy Birthday, Worpswede!

Das Jubiläum findet im gesamten Ortskern von Vegesack statt

Das Jubiläum findet im gesamten Ortskern von Worpswede statt

Das ganze Jahr über feiert Worpswede das 800. Jubiläum. Der Höhepunkt ist allerdings das Wochenende vom 21./22. Juli 2018, bei dem es rund um das Rathaus ein abwechslungsreiches Programm für euch gibt. Mit Schaustellern, die die Urkundenübergabe nachstellen und mit originalgetreuen Vorführungen die Geschichte erlebbar machen, Kinder-Mitmach-Aktionen, Chor- und Bandauftritten, Torfkähnen – und wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch auch historisch verkleiden für euren Besuch. Wir freuen uns über eure Bilder von dem Jubiläumsfest in den Kommentaren. Das komplette Programm findet ihr auf der Homepage des Künstlerdorfs.

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