Grüner wird’s nicht – im WUSEUM

Als ich vor Jahren einmal bei einem Bundesliga-Spiel im Weser-Stadion zu Gast war – damals stand im gegnerischen Tor Timo Hildebrand – fiel mir nichts besseres ein als laut zu fragen: „Spielt der nicht eigentlich für Deutschland?“ Es kann also nicht schaden, mein halbgares Fußballwissen aufzupolieren. Daher geht’s für mich heute ab ins WUSEUM – dem Vereinsmuseum von Werder Bremen.

Eine grün-weiße Zeitreise und 116 Jahre Vereinsgeschichte. Wer glaubt, das WUSEUM sei nur dazu da, die Vereinsgeschichte vom Fußballclub Werder Bremen aufzuzeigen, irrt. Hier geht es um den gesamten Verein, auch um weniger im Rampenlicht stehende Sportarten wie Prellball, Tischtennis oder Schach. Der Sportverein Werder Bremen zählt über 40.000 Mitglieder und ist neben Roland, Stadtmusikanten und Beck’s Bier ein echtes Aushangschild für die Hansestadt. Aber natürlich ist der König Fußball Mittelpunkt der vielen Vitrinen, Ausstellungsstücke und Fotos.

Szenen einer langen Ehe: Werder und das Weser-Stadion.

Szenen einer langen Ehe: Werder und das Weser-Stadion.

Wo die Weser einen Bogen macht – steht ein Stadion.

Das Weser-Stadion thront dort, wo die Weser einen Bogen macht – viele erkennen es schon vom Osterdeich. Sein Name leitet sich vom Stadtwerder ab, auf diesem Areal unweit des Stadions und dem Stadtteil Peterswerder gründeten sich damals die ersten Trainings- und Spielplätze. Das Stadion der Werderaner, von dem sich im WUSEUM ein Maßstab getreues Modell befindet, wurde von 2008 bis 2011 umgebaut und modernisiert, unter anderem glänzen nun Photovoltaikzellen an der Südgeraden.

Allen treuen Werder-Fans und generellen Fußball-Freunden empfehle ich einen Kombi-Besuch von WUSEUM und Weser-Stadion. Oder eine Schiffsanreise zum Bundesliga-Spiel – denn das ist deutschlandweit nur in Bremen möglich!

Relikte aus 115 Jahren Vereinsgeschichte: Vom Ailton-Trikot bis zur Meisterschale ist alles dabei.

Relikte aus mittlerweile 116 Jahren Vereinsgeschichte: Vom Ailton-Trikot bis zur Meisterschale ist alles dabei.

Die Meisterschale glänzt, noch…

Die fetten Jahre sind vorbei – könnte man meinen, wenn man Werders Bemühungen seit ein paar Jahren verfolgt. Nach den Erfolgen in der Bundesliga, als Pokalsieger und viermaliger deutscher Meister ist es derzeit etwas, ich formuliere es mal unaufgeregt, „ruhiger“ um die Mannschaft geworden. In einer großen Vitrine finden sich die Insignien der nationalen und internationalen Erfolge, Repliken der Meisterschale und des DFB-Pokals sowie unzählige Auszeichnungen und Sammelstücke, wie zum Beispiel eine Nachbildung der Viktoria-Trophäe, deren spannende Geschichte mir Herr Dunker erzählt.

Die Insignien eines erfolgreichen Fußballvereins.

Die Insignien eines erfolgreichen Fußballvereins.

Inzwischen regnet es in Strömen und der Wind peitscht an die Nordseite des Stadions. Helmut Dunker, ehemaliger Mitarbeiter des SV Werder Bremen und inzwischen Rentner, engagiert sich immer noch mit Herzblut für die Belange seines Traditionsvereins. Während meines Besuchs erzählt er mir manches Detail. Er führt Gäste durch das Weser-Stadion, fungiert im WUSEUM als Ansprechpartner und war Mit-Initiator des Vorzeigeprojekts „100 Schulen – 100 Vereine“.

Seit 2004 dabei: Helmut Dunker.

Seit 2004 dabei: Helmut Dunker.

Von Maulwurftennis und dem furiosen Double

Helmut Dunker berichtet mir unter anderem von den Erfolgen der Prellball-Mannschaften bei den Deutschen Meisterschaften. Die Sportart, als „Maulwurftennis“ belächelt, begeisterte selbst Klaus-Dieter Fischer, langjähriger Vereinspräsident des SV Werder Bremen und selbst Prellballer. In Schnupperkursen können Interessierte testen, ob diese Sportart etwas für sie ist – und vielleicht ja auch wie sich Tennis für Maulwürfe anfühlt.

Ich und eine Kapuzenjacke: DIE Thomas Schaaf-Jacke aus der Double-Saison 2003/2004.

Ich und eine Kapuzenjacke: DIE Thomas Schaaf-Jacke aus der Double-Saison 2003/2004.

Da sehe ich SIE: Die unverkennbare Werder Bremen-Kapuzenjacke von Thomas Schaaf, die er in der glorreichen Double-Saison immer trug. Daneben erblicke ich die Fußball-Schuhe von Miroslav Klose aus der Saison 2005/2006. (Der schießt jetzt übrigens die Tore bei Lazio Rom!)

Danach setze ich mich ganz vorne, in die erste Reihe der ausrangierten Stadionplätzen und gucke mir in der Kino-Ecke Gänsehaut erzeugende Film-Szenen von der Double-Feier 2004 an. Ich erinnere mich, dass meine Eltern an diesem Tag ihre Silberhochzeit feierten und ich so ziemlich nichts, aber auch gar nichts vom ganzen Trubel in der Stadt mitbekommen habe. Zusätzlich kann man sich an zahlreichen Multimedia-Stationen Audio- und Videoclips anschauen und sich in die ruhmreiche und spannungsreiche Vergangenheit  befördern.

Ein Original-Spielball aus einem Spiel gegen den FC Liverpool 1978.

Ein Original-Spielball aus einem Spiel gegen den FC Liverpool 1978.

Originelle Zeugen der Zeit

In den 1890er Jahren gründeten sich in Deutschland die ersten Fußballvereine, so auch der Fußballverein Werder von 1899, dem Vorläufer des heutigen Vereins. In den Vitrinen sehe ich bunte Trikots aus der Vereinsgeschichte, Sammelkarten, Wimpel, Fahnen, Schuhe – und natürlich Original-Spielbälle wie den aus dem Spiel gegen den FC Liverpool 1978.

Auf dem Weg nach draußen schaue ich mir im Treppenaufgang noch die Fußabdrücke der bekanntesten Werder-Spieler an: Ailton, Marco Bode, Torsten Frings, Diego, Claudio Pizarro – und selbstverständlich Rudi Völler alias „Tante Käthe“, neben Frank Neubarth, mit 97 Toren Werders zweiterfolgreichster Bundesliga-Torschütze. Aber wo haben sie die Abdrücke von Markus Rosenberg versteckt?, grübele ich.

Tante Käthes Füße im grün-weißen Treppenhaus.

Tante Käthes Füße im grün-weißen Treppenhaus.

Aber auf dem Nachhauseweg fällt es mir ein: Die berühmte Muffe, die in der Saison 2004/2005 den Strom im Weser-Stadion lahm legte, habe ich übersehen. Beim nächsten Besuch werde ich darauf achten

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 12-17.45 Uhr (März bis Dezember) und 14-17.45 Uhr (Januar bis Februar). An Heimspieltagen ist das WUSEUM immer bereits vier Stunden vor Spielbeginn für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

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